Als Jurist auf (k)einem (Legal Tech) Hackathon – mein Erfahrungsbericht

Sneaker statt Lederschuhe, Leggings & Hoodie statt Hosenanzug und Bluse und nicht mal ein gebuchtes Ho(s)telzimmer, obwohl ich für drei Tage weg von zu Hause bin…was mache ich eigentlich? Mit Rucksack, Schlafsack und Isomatte steige ich in den ICE nach Bremen und zum ersten Mal verreise ich komplett ohne Plan.  

Bereits in Oktober 2017 stand der Entschluss fest, dass ich an einem Hackathon teilnehmen will. Meine Kollegin Elena Scepankova schwärmt jedes Mal über die Veranstaltungen und wenn man ihr zuhört ist man schnell motiviert dies auch einmal auszuprobieren. Doch kann man als Jurist irgendwas zu so einem Event beisteuern oder ist man nur eine Last für die Entwickler?

Irgendwann steht fest, dass es ist mir egal ist wie es laufen wird; ich will wenigstens einmal mitmachen und es ausprobieren. Die Entscheidung fällt spontan und zack bum sitze ich im Februar im ICE nach Bremen.

Ich hatte keine Erwartungen, ich wusste nicht was auf mich zukommt – ich war sogar so planlos, dass ich die AGBs der Veranstaltung gelesen habe.

 Disclaimer: die Veranstaltung wurde als „bring your own device with“ angekündigt. Auf meinen eigenen Wunsch hin hat mich Conrad Electronics mit einer kompletten Raspberry Pi & Sensoren ausgestatt; hierfür bin ich super dankbar. Vielen Dank nochmal! Im Rahmen des Hackathons hat mein Team am Ende leider nichts damit gemacht, aber ich habe mir das Gerät und die Ausstattung für die Zukunft gewünscht. Es gilt also: #staytuned 😉

Doch was ist ein Hackathon eigentlich?

„Ein Hackathon (Wortschöpfung aus „Hack“ und „Marathon“) ist eine kollaborative Software- und Hardwareentwicklungsveranstaltung. Ziel eines Hackathons ist es, innerhalb der Dauer dieser Veranstaltung gemeinsam nützliche, kreative oder unterhaltsame Softwareprodukte herzustellen.“(Quelle:Wikipedia)

Es ist also auf keinen Fall ein Recruitment- oder ein Selbstvermarktungsevent; es geht hauptsächlich darum mit gleichgesinnten Spaß zu haben und sich selbst herauszufordern. Die Definition von Wikipedia finde ich sogar ziemlich passabel, zumal diese in der späteren Beschreibung auch ergänzt wird. So wird unter anderem auch erwähnt, dass die Entwickler auch oft über Nacht vor Ort bleiben und weiter an dem Projekt arbeiten. So kann es auch tatsächlich vorkommen, dass nach 2-3 Tagen eine App, eine Software oder andere Anwendung funktionsfähig und für den gedachten Zweck einsetzbar ist.

Nun saß ich im ICE und habe mich gefragt, ob es einen Sinn machen würde die nächsten Stunden mit Programmierkursen zu verbringen, um mein vorhandenes Grundwissen zusätzlich zu vertiefen und zu ergänzen. Mit dem Internet im ICE würde man jedoch schlecht überhaupt was aufrufen können, also habe ich den Plan schnell verworfen. Schließlich wollte ich mich auch nicht blamieren, umgeben von ausgebildeten Informatikern zu behaupten, dass man Programmieren kann wäre ungefähr so als würde man im 1. Semester behaupten juristisch eine Ahnung zu haben – schlichtweg gelogen. Eine Idee die ich pitchen(=vorschlagen) würde, hatte ich auch nicht. Ich hatte nur meinen Rucksack, meinen Geldbeutel, meinen Laptop, Ladekabel, Klamotten für 3 Tage, sowie die Hardwareausstattung für den Raspberry dabei. Dieser war nämlich so ziemlich das einzige Entwicklungstool mit dem ich ansatzweise schon Erfahrung hatte und mit dem ich tatsächlich gerne arbeiten wollte.

16:30 ging es dann in Bremen los und nach anfänglichen Schwierigkeiten kam man ins Gespräch. Neben Networking wurden auch bereits die ersten Flügel wurden verliehen, die T-Shirts ausgegeben und das Terrain erkundet. Die Sponsoren des Events hatten ihre Stände aufgebaut und die boten neben einem Roboterarm und 3D Drucker auch viele spannende Inspirationen. Überall lagen LAN-Kabel, Gadgets und Goodies und man bemerkte die spürbare Vorfreude im Raum. Ich hatte zunächst mal Bedenken mich als Jurist zu outen, doch anders als erwartet hatte niemand ein Problem damit. Sie empfanden es als nicht schlimm, dass ich noch nie eine Software selbst komplett zum Laufen gebracht oder eine KI für die Lösung der größten Probleme des Lebens programmiert hatte.

Es folgte die Ausgabe der T-Shirts, der Namensschilder, des Mittagessens, die Vorstellung der Regeln und des Planes für die nächsten drei Tage. Ich habe mir schnell mein Team ausgesucht und zum Glück hatten die Jungs zumindest sichtbar kein Problem damit, dass ich dabei war.

An der Stelle liebe Grüße an das Team „Hello World“ nach Bremen. Ihr seid die Besten und vielen Dank, dass ich bei euch mitmachen durfte!

Als jedoch dann Idee stand wurde schnell klar, was das Programmieren angeht können mich die Jungs nicht wirklich gebrauchen, zumal ich mich als Presenter angemeldet habe (möglich wäre noch Innovator, Developer oder Designer gewesen). Also tat ich mein Bestes, unterstützte mein Team bei der Ideenfindung, bereitete die Präsentation vor und entdeckte vor allen anderen Teams, wenn das Essen fertig war. Kulinarisch hatte der Veranstalter „encoway“ einiges zu bieten; hungrig blieb man definitiv nicht und man wurde rund um die Uhr, man denke an die Pizzasession um 2 Uhr nachts, versorgt.

Doch wie es kommen musste: technische Probleme gibt es überall, vor allem wenn man mit einer für sich selbst neuen Technik arbeiten muss. So wurde gleich am zweiten Tag der ursprüngliche Plan zum Teil über den Haufen geworfen, weil das von uns ausgesuchte Gadget für Entwickler nicht innerhalb von ein paar Minuten freigeschaltet werden konnte. Dank des Veranstalters wurde zum Glück schnell eine neue Smartwatch besorgt und so konnten wir das gesamte Projekt nach Ablauf der Hälfte der Zeit quasi neu beginnen. Die Jungs waren motiviert und ich habe immer wieder versucht zu gucken wo ich helfen kann. Geschlafen wurde nicht viel; viele haben den ersten Tag komplett durchgemacht. Wer wie überhaupt wach bleiben konnte und wie viel Überwindung und Energie dies gekostet hat, war an dem immer größer werdenden Haufen an Energydrinks sichtbar. Die Arbeit wurde auch nur für das Essen, einen kurzen Spaziergang oder eine Runde Ligretto oder Online-Poker unterbrochen.

Aus der ursprünglichen Idee wurde eine Andere, die seinerseits von einer Anderen abgelöst wurde und am Ende kam dann etwas vollkommen Neues heraus. Der Prozess der Entstehung war aber spannend und vor allem war ich sehr beeindruckt was man innerhalb so kurzer Zeit schaffen kann. Andere Teams waren aber auch ähnlich produktiv, eine Idee nach der anderen realisierte sich und der 3D Drucker wurde nicht nur für Spaß und Zitronenpressen, sowie kleine Figuren missbraucht. Es machte alleine schon extrem viel Spaß in diesem Raum zu sein und die Geschehnisse zu beobachten. Es handelte sich dabei zwar um einen Wettbewerb, jedoch schien diese Tatsache allen total egal oder eher nebensächlich geworden zu sein. Die Gadgets und Tipps wurden geteilt, man hat sich gegenseitig geholfen und am Ende hat man nur noch mitgefiebert und sich gefreut, wenn der Plan der anderen Teams auch aufging und die Software funktionierte.

Was am Ende des dritten Tages, außer komplett gestörte Tagesrhythmen, herauskam?

Unter anderem eine App die Gebärdensprache in Text übersetzte, eine auf Blockchain basierte Lösung um automatisierte Zahlungen in Parkhäusern durchzuführen, Anwendungsideen für Rapsberries, Arduinos, Bluetooth Beacons und sonstige verrückte Spinnereien. Die Teams haben sich ausgetobt und alles gegeben. Perfekte Stimmung, keine Hahnenkriege und vor allem keine gezwungene Atmosphäre. Neue Freundschaften entstanden, Kontakte wurden ausgetauscht und vor allem hat man ein super spannendes Wochenende in einer tollen Atmosphäre verbracht, nur von Bremen selbst hat man leider nichts gesehen.

Was ich für die Zukunft mitnehme?

An einem Hackathon wird einem niemand sagen was man zu machen hat und was nicht. Die Teilnehmer freuen sich darauf etwas machen zu können; niemand ist da, um nur zu reden und sich zu präsentieren. Es geht nicht um das „Sehen und Gesehen werden“. Das Ziel ist vielmehr nach Hause zu gehen  und sagen zu können, dass man was gelernt und geschaffen hat. Man hätte zwar drei Tage nur mit gucken verbringen können, es hätte aber vermutlich nicht mal annähernd so viel Spaß gemacht und vor allem wäre das Teamwork auf der Strecke geblieben. Ich weiß nicht, ob meine Anwesenheit etwas an signifikantem Mehrwert für unsere Software gebracht hat, jedoch fand ich es extrem spannend und vor allem habe ich sehr viel von meinen Teamkollegen gelernt. Insbesondere eins: es ist alles möglich, wenn man es selber will! Es wird niemand danach fragen ob man mitkommt; die Initiative muss man selber ergreifen. Doch wenn man diese ergreift, dann ist die Welt plötzlich bunt und die Mühe wird auch belohnt. Ich werde es mir nicht verkneifen können zu sagen, dass wir auch einen Preis gewonnen haben. Vielen Dank an der Stelle an Logicline.

 

Aber wenn man ehrlich und ohne Erwartungen hingeht, ist es im Endeffekt total egal, denn gerade hier gilt: der Weg ist das Ziel, der Weg den man gemeinsam als Team geht.

Als Nichtprogrammierer kann man auch extrem viel Spaß haben und sich einbringen; was man aus der Situation macht bleibt immer einem selbst überlassen.

Und am Ende bin ich mir sicher, dass man sich wiedersehen wird; insbesondere steht bereits eines fest:

Hackathon Stuttgart, wenn nichts dazwischen kommt, ich bin dabei!

 

 

 

 

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