Wenn Juristen auf Praktiker aus der Industrie treffen- Net.Law.S

Oft wird es diskutiert, doch es passiert selten, dass Industrie und Juristerei aufeinandertreffen und dabei auch noch ein gemeinsames Ziel haben. In Deutschland ist (mir) bisher eine Konferenz hierzu bekannt und an dieser durfte ich teilnehmen – die Net.Law.S. 2018 in Nürnberg-mein Erfahrungsbericht.

 

Disclaimer: Ich habe mich für die Teilnahme auf der Net.Law.S., aufgrund des Blogs presseakkreditieren lassen und musste so die Eintrittskosten nicht bezahlen, ich habe von den Organisatoren sonst aber keinerlei finanzielle Zuwendungen für die Berichterstattung erhalten.

Wisst ihr was passiert, wenn man zwei kleine Kinder, die keine gemeinsame Sprache sprechen, in einen Sandkasten setzt? Vorausgesetzt sie möchten mit jemanden spielen, werden sie dies auch tun, auch ohne sprachliche Kommunikation. Vielmehr entwickeln sie eine eigene, gemeinsame Sprache. So scheint es für mich auch mit der Industrie und der Juristerei.

Juristen als Innovationsbremsen?

Vertreter und Entscheidungsträger der Industrie, des Handwerks und Ingenieure verfügen oft über einen Teil- oder Halbwissen juristischer Inhalte. Sie sehen Anwälte oft als große Hindernisse, die hauptsächlich eine Entwicklung verhindern. Juristische Fachbegriffe werden selten verstanden; es reicht schon, wenn man an die erbrechtlichen Begrifflichkeiten Vermächtnis und Erbe kennt und auseinanderhalten kann. Gleichzeitig haben viele Anwälte, wenn auch nicht alle, große Schwierigkeiten damit die Sprache, Fachbegriffe und Vorgehensweisen der Praktiker aus der Industrie zu verstehen. Nun wenn man an das eingangs präsentierte Beispiel der Kinder denkt, könnte man meinen, dass bei dem Vorhandensein eines gemeinsamen Ziels dies kein Problem sein dürfte…es scheint jedoch, dass bisher die Ziele vollkommen aneinander vorbeigingen. Entwicklung, Rechtskonformität, Patente und Kundendienst, sowie Umsatzsteigerung und Datenschutz; die Seiten und Vorhaben könnten nicht unterschiedlicher sein und es hilft auch nicht, dass man die Juristen oft erst am Ende eines Prozesses mit ins Boot holt, um dann zu erfahren, dass das Vorhaben so nicht funktionieren wird.

Das gemeinsame neue Ziel: Digitalisierung

Mit der Digitalisierung und dem Wunsch danach, scheint für mich endlich ein Thema entstanden zu sein, welches diese Hürde überbrücken könnte. Gleichzeitig dürfte der Sinn und Zweck, wenigstens jedoch die Voraussetzungen und Bußgelder der BDSGVO, bei vielen angekommen sein und somit ist das Thema Datenschutz eines der Ziele, auch wenn unterschiedlich motiviert, die die Sprachbarriere überbrücken könnten.

So wurde unter anderem auch Datenschutz zum Thema des zum zweiten Mal stattfindenden Event Net.Law. S in Nürnberg, veranstaltet von der Messe Nürnberg. Man hat bei den Vorträgen und anschließenden Diskussionen gleich gemerkt, dass man versucht sich gegenseitig zu unterstützen.

Wenn Juristen über ein Thema diskutieren, lassen sich die meisten Argumente im Vorhinein erahnen. Fast alle Meinungen für oder gegen ein Thema sind schnell publiziert und sie basieren oft auf denselben Grundlagen. Grundrechte, juristische Wertungen, Wort- oder historische Auslegung – die Meinungen sind selten überraschend, zumindest bis zu dem Zeitpunkt bei dem die Juristerei einen frischen Wind bekommt. Dieser Strom könnte meiner Meinung nach u.a. aus der Industrie kommen; und so war es auch. Im Rahmen der Konferenz wurden immer wieder neue Impulse in die Gesprächsrunden gestreut. Fragen der Juristen an Vertreter der Industrie wurden beantwortet und umgekehrt; es wurde heftig und lebhaft diskutiert und das eine oder andere Mal mussten sich Juristen auch geschlagen geben.

 

PANEL 3 – Smart Mobility: Automatisierte Fahrzeuge und Telematik-Tarife in der Autoversicherung – Dr. Angelika Christoph –

Mit der Wahl der Themen wurde absolut ins Schwarze getroffen. Spätestens dann wurde es allen vor Augen geführt, als Frau Dr. Angelika Christoph die Telematik-Tarife der bekannten Versicherungen präsentierte. Bereits beim 1. Net.Law.S in 2017 wurde darüber gerätselt, ob solche Tarife überhaupt möglich sind. Damals hieß es: „es sei die Zukunft“. Nun ist es bereits Realität. Umso spannender musste ich auch selbst merken, wie wichtig es ist sich selbst weiter zu entwickeln und das eigene Wissen interdisziplinär weiter zu bilden. So war ich, da ich bereits 2017 dank des Prof. Dr. Dr. Hilgendorf als Gast und Student an dem 1. Net.Law.S teilnehmen durfte, felsenfest überzeugt und eindeutig gegen die Telematik-Tarife. Dieses Jahr sieht die Lage nunmehr anders aus. Ich zwar mit etwas Skepsis aber großem Interesse dabei und bin gespannt wie sich diese weiterentwickelt.

 

Auch ähnliche Probleme im Bereich des E-Health

 

Durch die Konferenz wurde aber auch klar, dass es ist nicht nur die Industrie ist, die von den Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung betroffen ist und juristischen Rat und Diskurs benötigt. Ich besuchte diesmal auch den Panel E-Health und empfand die geschilderten Probleme und Lücken auch in der Gesundheitsbranche erschreckend. Seitdem IoT und Wearables auch in der Medizin präsent sind, stellt man sich auch dort dieselben Fragen: Datenschutz, Haftung, Produkthaftung etc und die Gesetzeslage ist in dem Bereich vergleichbar und auch leider zum Teil sehr veraltet oder überhaupt nicht vorhanden.

 

Best Practice: Digitale Transformation im Gesundheitswesen ??? Machen ist das Neue Wollen. – Dr. med. Tobias D. Gantner –

Die Enthusiasten im Bereich E-Health sind bereits gefunden; doch wo bleiben die Juristen? Die Präsentation von Dr.med.Tobias Gantner, MBA, LLM empfand ich als motivierend und begeisternd, zumal er nicht nur über die Möglichkeiten und Visionen sprach, sondern bereits entwickelte Produkte mitgebracht und präsentiert hat. So wünsche ich mir, als absoluter Nichtkenner der E-Health und der gesamtem Medizinbranche, dass sich auch dort der eine oder andere begeisterte Jurist mit Technik- und Innovationsaffinität findet, um die bereits vorhandenen Inspirationen und deren Umsetzung zur Rechtskonformität verhelfend zu begleiten.

Die Gesetzeslage als Innovationsbremse?

Doch auch wenn Juristen nicht als Bremse fungieren und die Digitalisierung unterstützen wollen, scheint es, dass die Politik und die Gesetzeslage diese Aufgabe bereits proaktiv übernimmt und dabei auch sehr erfolgreich zu sein scheint. So sollte man sich vielleicht überlegen die Gesetze an sich mehr unter die Lupe zu nehmen und aus dem 19. Jahrhundert in das 21. zu transferieren. Freilich ist es nicht überall nötig oder gar möglich, so betonte auch Keynotespeaker Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio bereits am ersten Tag, dass auch wenn das Grundgesetz keine IoT, Algorithmen oder künstliche Intelligenzen kennt, die Wertungen aus dem Gesetz oft zu einer Lösung verhelfen. An den Punkten jedoch, bei denen die Vorschriften anstatt abstrakt generell zu sein ziemlich genau die technischen Voraussetzungen festlegen, bedarf es einer Überarbeitung.

Keynote: Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio, Direktor des Forschungskollegs normative Gesellschaftsgrundlagen Eroeffnungsveranstaltung

 

Umso mehr freue ich mich auf den Net.Law.S 2019 und hoffe nächstes Jahr erneut mit dabei sein zu dürfen. Doch auch wenn ich mit dieser in Deutschland, nach meinem Kenntnisstand einzigen Veranstaltung, durch und durch zufrieden, von dem Konzept absolut überzeugt bin und die Location, Catering und Organisation sehr gut fand, gibt es einen großen Kritikpunkt meinerseits. An diesem will ich nicht einfach schweigend vorbeigehen und hierzu auf dieser Plattform nichts sagen.

Ausblick und Kritik

Der Marktwert von LegalTech in der Juristerei und der Digitalisierung im Allgemeinen schlägt sich auch hier nieder. So finde ich den Preis, also die Eintrittskosten der Konferenz, extrem übertrieben, auch wenn die Atmosphäre das selbst verortete Level des Events wiederspiegelt. So wünsche ich mir jedoch nicht nur von den Organisatoren des Net.Law.S, sondern auch von allen anderen Konferenzveranstaltern zu den Themen eine Eintrittspreissenkung. Ohne die sonstigen Zahlen und Informationen zu kennen wage ich es zu behaupten, dass die Kosten zumindest um ein paar hundert Euro gesenkt werden könnten und dabei weiterhin genug Gewinn erzielt werden kann. Ich bin mir nämlich im Weiteren auch sicher, dass sehr viele alleine aus Kostengründen nicht an der Veranstaltung teilgenommen haben, obwohl diese von der Diskussion lebt und als interdisziplinärer Treffpunkt eine große Marktlücke auf einem sehr hohen Niveau stopfen kann. Des Weiteren empfand ich, dass die Teilnehmeranzahl von 160 Personen (nach Angaben der Veranstalter), für das Angebot und den Diskussionsbedarf eindeutig viel zu wenig war, wobei der fachliche Wissensstand und Expertise sehr hoch war. Dennoch bin ich mir sicher, dass die Zahl der Teilnehmer erhöht werden könnte und auch müsste. Ob dies an der zeitlichen Nähe mit dem IRIS in Salzburg oder an anderen Faktoren lag, weiß ich nicht. Ich bin mir jedoch sicher, dass die Eintrittspreise auch einen großen Einfluss hierauf haben werden.

Sollte sich also der Preis verringern, gibt es für mich keinen Grund warum ich die Veranstaltung nicht vorbehaltlos empfehlen sollte. Mir hat sie bereits letztes Jahr und so auch dieses Jahr extrem viel Spaß gemacht und  mir zu vielen neuen Erkenntnissen verholfen.

Abendveranstaltung

 

 

 

 

 

 

 

 

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