Das Rechtshandbuch Legal Tech – Geduld und Durchhaltevermögen wird reichlich belohnt….

…nicht nur in der realen Welt, im Rahmen der Entwicklung von Programmen oder testen von Prototypen, sondern auch bei der Lektüre des Buches. Aber eins nach dem anderen, hier meine Rezension zum Legal Tech Handbuch von Breidenbach/Glatz.

 

Ein (vermeintliches) Ziel

Die Autoren des Werkes, darunter befinden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten, haben sich allesamt ein großes Ziel gesetzt – die gesamte Thematik möglichst breitflächig abzudecken.

„Was ist heute schon möglich? Was muss man jetzt im Blick behalten, um morgen nicht den Anschluss zu verlieren? Was sind die Trends für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre, die erste Maßnahmen erfordern, um in der Zukunft des Rechts eine Rolle zu spielen?“

Das sind die Fragen, von denen dieses Buch sich leiten lässt. …aber wurden die Fragen auch hinreichend beantwortet?

 

Das richtige Medium

„Für das Recht und alle mit Recht arbeitenden Berufsgruppen geht es darum, sich einer digitalen Zukunft nicht auszuliefern, sondern sie zu gestalten. Praxis, Aus-/ Weiterbildung und Forschung zur Digitalisierung des Rechts können zusammenfinden.“

So lebt Digitalisierung nicht davon, dass man darüber redet, sondern dass man sie praktisch gestaltet. Nach dem Motto:

„Probieren geht über studieren.“

Ausgehend von dieser Grundlage wäre demnach ein Buch zum Thema Digitalisierung im Grunde das schlechteste Ziel diese voranzutreiben.

Dann wäre es aber kein Buch von Juristen für Juristen über die Juristerei -denn Juristen lesen…. und ich würde nicht einmal den Versuch wagen eine Zahl zu nennen wie viele Seiten es am Tag sind. So ist eine auf Papier gedruckte Sammlung von Beiträgen die scheinbar einzige Möglichkeit eine große Masse an Lesern mit juristischen Texte zu erreichen und die Digitalisierung in die Juristerei zu implementieren.

 

Eine Zielgruppe

So sind sowohl die Aufmachung, Themenauswahl und wissenschaftliche Ausgestaltung für die wohl anvisierte Lesergruppe richtig und sinnvoll, auch wenn ich von der Fülle der verschiedenen Textstile immer wieder etwas irritiert wurde. So werden in dem Buch neben technischen und historischen Grundlagen auch Methodenkenntnisse z.B. zur Visualisierung aber auch Anwendungsbeispiele vermittelt und in einem juristischen Kontext gebündelt dargestellt. Doch die inhaltliche Tiefe der einzelnen Beiträge variiert sehr stark. So wäre der ideale Leser in einer Sekunde ein Blockchain-Fan und Kenner während dieser sich in der nächsten Sekunde an einem Grundlagenforscher und Wissenschaftler wendet. Also habe ich mich immer wieder gefragt, ob vor der Veröffentlichung des Buches bzw. jeweils am Anfang eines jeden Abschnittes im Inhaltsverzeichnis eine Analyse der möglichen Interessengruppen hätte erfolgen müssen/sollen?

Ich fühle mich daher verpflichtet und werde auch tatsächlich zugeben nicht alle Beiträge zum Thema Blockchain gelesen zu haben, da diese mich in der Tiefe schlicht und ergreifend einfach nicht interessiert haben und die ersten Zeilen nicht die nötige Motivation hervorrufen konnten diese zu lesen. Ob das jetzt schlimm ist weiß ich nicht, schließlich wurde man zum Thema ausreichend und über jegliche Erwartung hinaus informiert, denn eines der Schwerpunkte liegt ganz klar auf dem Thema Blockchain, und es ist auch gut so.

OFF: So muss ich mich vermutlich an der Stelle bereits auch entschuldigen, wenn ich etwas bemängele, was möglicherweise inhaltlich in den einzelnen, von mir nicht gelesenen Artikeln vorkam.

„Und schließlich entscheidet auch die Juristenausbildung, ob die digitale Entwicklung im juristischen Bereich be- oder entschleunigt wird. Aber „die Juristenausbildung hat wenig Lust auf Veränderung oder Innovation“

– diese Lust gilt jedoch zu wecken, aber wie? So hätte ich mir tatsächlich mehr Fülle, mehr Informationen, mehr Thematik, Methodik und insbesondere Kritik gewünscht. Kritik an der derzeitigen Ausbildung, an den Methoden und an den veralteten Strukturen; oder zumindest aktive Vorschläge und Ideen, anstatt einer bloßen Darstellung und Berichterstattung über die Aktivitäten von den im Buch dargestellten Universitäten Viadrina und Bucerius Law School. So war ich einerseits enttäuscht, andererseits aber auch überrascht und positiv beeindruckt, als im Buch auf die Wichtigkeit von Visualisierungsmethoden hingewiesen und diese auch sowohl im Gesetzgebungsverfahren als auch im Prozess hingewiesen wurde.

Dennoch, und dies fand ich wirklich sehr schade, hätte ich mir mehr Inhalt im Bezug auf die Ausbildung gewünscht und hoffe auf eine Ergänzung in der zweiten Auflage.

Legal Tech = Interdisziplinarität

Meistens werden die Beiträge von Juristen über juristische Themen erklärt, ohne dabei auf die dahinter versteckte Technik detailliert, auf der Basis einer interdisziplinären Arbeit dargestellt, einzugehen. Dies ist hier zumindest insoweit anders, als die Grundlagen anhand der Begrifflichkeiten und Funktionsweisen anfangs dargestellt werden. Aber bin ich die Einzige, die sich im Allgemeinen noch mehr technische Tiefe wünscht? …. wo fängt aber ein Handbuch für Informatik an und hört ein Rechtshandbuch für Legal Tech auf? Die Aufgabenstellung ist aber auch schwer und vermutlich nur kaum befriedigend zu erfüllen, da die diverse Lesergruppen verschiedener Altersstufen über unterschiedliche Vorkenntnisse verfügen. Also muss man sich vermutlich als Herausgeber auch die Frage stellen: wen will ich in welchem Umfang langweilen und wen überfordern?

Jedenfalls empfand ich eine ungewohnte Freude und Respekt, als ich die Hinweise zur Benutzung von Flipcharts und Sketchnotes gesehen habe. So stellen auch die Darstellungen zum digitalisierten Prozessverlauf mittels Skype im Rahmen des frühen ersten Termins eine frische Luft und eine Bereicherung dar, die ich sehr gerne gelesen habe. Aber bereits früher, zum Thema KI gelingt es dem Autoren Paul von Bünau die einschlägigen Grundlagen einfach, für meinen persönlichen Geschmack zu knapp aber verständlich, darzustellen; sodass man auf zehn Seiten alles erfährt, was man zumindest für den Einstieg benötigt. Denn seien wir mal ehrlich: wenn ich etwas über Legal Tech lese, dann gehe ich davon aus, dass künstliche Intelligenzen, Blockchain, Algorithmen und diverse praktische Beispiele dargestellt werden; also jedes Thema, jede neue Anregung ist eine willkommene Abwechslung und jeder neue Gedankengang aus einem anderen Bereich eine Herausforderung.

 

(m)Ein Higlight

Schließlich mein Highlight, dieses muss auch namentlich genannt werden, einer von Herrn Braegelmann am Besten gelungenen Beiträge; denn ich gebe ihm im Großen und Ganzen recht und es ist auch richtig für die Thematik zu sensibilisiere. Legal Tech sollte den Zugang zum Recht erleichtern, unabhängig davon welche finanzielle Möglichkeiten man hat. Das zugesprochene Recht und dessen Qualität darf auf jeden Fall nicht von der Finanzkraft des Rechtssuchenden abhängen. Aber wie macht man das möglich? Haben wir wirklich alles bedacht? Ich möchte nicht spoilern, sondern kann wirklich jedem empfehlen den Beitrag im zehnten Abschnitt zu lesen!

Ein (von mir bisher gelesener) Konkurrent(?)

Und nun zu der Frage, die ich im Laufe der Zeit, in der ich das Handbuch gelesen habe, sehr oft gefragt wurde: Muss man/sollte man beide Bücher, also das Legal Tech Buch von Hartung/Bues/Halbleib(meine Rezension hier) und das eben vorgestellte von Breidenbach/Glatz lesen oder reicht es aus nur eines der beiden zu lesen?

Nun die Frage zu beantworten ist nur auf die klassisch-juristische Art möglich:

„Es kommt darauf an… und zwar darauf was man möchte und sucht.“

Hartung/Bues/Halbleib stellt im engeren Sinne eine punktuelle Darstellung der Situation auf dem Rechtsmarkt zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches dar, sowie weitere Methoden und Möglichkeiten vor.

Der gewollte Schwerpunkt von Breidenbach/Glatz scheint für mich eher in der Wissenschaft und Technik zu liegen, auch wenn dies in vielerlei Hinsicht nicht oder nicht in dem Umfang erfüllt werden konnte(s.o.).

Beide Werke haben einen sehr hohen inhaltlichen und materiellen Wert (s. Kaufpreis), eine Daseinsberechtigung und eine einzigartige Informationsfülle. Dennoch gilt: der Markt und das Thema Legal Tech sind somit nicht abschliessend erklärt und solange unsere juristische Ausbildung über den klassischen Weg funktioniert, werden weitere Bücher, Dissertationen und Beiträge in jeglicher Art von Zeitschriften geschrieben werden müssen.

Und wenn wir mal ehrlich sind: ein Buch, ein Kommentar und eine Meinung zu einem Thema reicht nicht.

Fazit

Man muss sich durch manche Beiträge wirklich durchkämpfen oder man lässt es halt einfach gleich sein. Dadurch, dass dasselbe Thema, insbesondere Blockchain, so oft und getrennt voneinander angesprochen werden, wiederholt sich auch einiges, sodass in dem Bereich zumindest kein großer Verlust eingebüßt wird. Dennoch hatte ich im Laufe der Zeit und mit fortschreitender Seitenanzahl immer mehr Freude an dem Buch. Die Beiträge wurden neuer, innovativer und differenzierter. Insbesondere aus dem Grund kann ich das Rechtshandbuch jedem Interessierten ans Herz legen; vielleicht überspringt man einfach die Teile, die man ohnehin schon woanders gelesen oder über die man in der Tiefe zumindest viel gelesen hat?

 

by Dalia Moniat @lawmeetsart

 

 

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