Legal Transformation Days – Die nächste Stufe [Werbung]  

Vom 18.-19.06. fanden die Legal Transformation Days 2018 des Handelsblatt Fachmedien Verlages im Vienna House Andel´s in Berlin statt und ich durfte nach vorangegangener Einladung vom Veranstalter und von Herrn Martin Fries dabei sein….”es war nur eine Frage der Zeit wann die Besucher nicht mehr bereit sein würden 1000 € für bloßes Dabeisein auszugeben.“…die Frage lautet: ist die Zeit endlich reif? 

Die Konferenzlandschaft im Jahr 2017

Im Jahr 2016, vor allem aber in 2017, haben sehr viele sehr viel Geld mit „Konferenzen“ zum Thema Legal Tech gemacht. Insbesondere im Jahr 2017 war man sehr stark damit beschäftigt dem Kind einen Namen zu geben und darüber zu diskutieren, was nun passieren würde – inhaltloses Rätseln für 1000 € Eintrittsgebühren exkl. Anreise & Übernachtung.

Eine harsche Kritik meinerseits, aber ich stehe dazu. Sätze wie „…die Digitalisierung ist da und es geht auch nicht mehr weg…“,füllten zum Teil ganze Vorträge aus; und die Feststellung des Rückstandes der Gerichte mit dem Vergleich, dass sich die Anwaltschaft immer größere Scanner und die Gerichte immer größere Drucker kaufen müssten, wurden zum Standard.

So war es nur eine Frage der Zeit wann die Besucher nicht mehr bereit sein würden 1000 € für bloßes Dabeisein auszugeben.

Die Dinos der Szene und die Mutigen aus der Praxis

[Disclaimer: Unter dem Hashtag #ltd18 habe ich neben weiteren fleissigen Kollegen versucht die wichtigsten Statements und Aussagen/Annahmen in „real life“ zusammenfassend zu posten, für Bilder und weiteren Einblicke einfach reinschauen]

Wenn man sich das Programm der Legal Transformation Days 2018 mit dem des vergangenen Jahres vergleicht, scheint meine Kritik bezogen auf die Veranstaltungen im vergangenen Jahr nicht ganz zu passen. So waren bereits letztes Jahr bekannte Gesichter und Fachmänner der eigenen Gebiete zum Sprechen eingeladen worden. Der Unterschied ist jedoch folgender: Während man im vergangenen Jahr über Chancen und Risiken, Möglichkeiten und Gefahren zu rätseln und diskutieren scheinte, wurde es dieses Jahr endlich praxisnaher.

Schließlich reicht es nun nicht mehr in das Fernglas zu gucken und zu sagen: „Da kommt eine dunkle Wolke auf uns zu, aber wir haben noch etwas Zeit.“

So lag der Schwerpunkt insbesondere in den „Break Out Sessions“ eher an der praktischen Umsetzung. Wie lässt sich eigentlich das Prozessrisiko berechnen und wie kann ich einen schlecht formatierten, klassisch-juristischen Vertrag mit Methoden des Design Thinking dem Mandanten vernünftig erklären und damit für mehr Rechtssicherheit sorgen? Wo sind derzeit die größten Lücken und Probleme der gängigen Algorithmen und auf KI basierten Systeme? Die Teilnehmer wurden nicht nur mit der unzensierten Realität und den Tatsachen konfrontiert, vielmehr „musste man“ auch sein Gehirn einschalten und im Rahmen von Vorträgen von Mathematikern oder Technikern/Wirtschaftswissenschaftlern zuhören und mitdenken. Dafür hat man aber u.a. die wahre technische Funktionsweite von Blockchain erklärt bekommen sowie die unzensierten Tatsachen und Probleme der aktuellen  Vertragsanalysesoftware präsentiert.

Aber nicht nur der Einsatz von technischen Mitteln und deren Grenzen wurden zu Wort gebracht, vielmehr wurde Kritik an derzeitigen Strukturen und Hierarchien vor dem Aspekt der neuen Generationen geäußert. So präsentierte Markus Hartung, Direktor des Bucerius Center on the Legal Profession, mehrere Studien seines Institutes und die daraus abzuleitenden Erkenntnisse; dass die Erwartungen der Babyboomer heute überholt sind, das man nicht mehr bereit ist für viel Geld vieles zu opfern und das die heutigen Studenten Technologie wollen, die verhindert, dass sie eine langweilige Arbeit machen müssen. Jedoch muss auch die Infrastruktur der Kanzleien überdacht werden; die Mandantenbindung und die anwaltliche Leistungserbringung wird immer mehr vor neue Herausforderungen gestellt, denn “schließlich sei eine Reihe von One-Night-Stands noch keine Beziehung”. Und was ist mit der so oft kommunizierten, aber in der Anwaltschaft nicht vorhandenen Fehlerkultur; nun bereits das Gesetz sehe Fehler der Anwälte nicht einmal vor, während aber keine Software ohne Bugs existiere, sie werden auch nur mit der Zeit besser….all diese essentiellen Themen über die es zu diskutieren gilt, Aspekte und Methoden an denen man arbeiten muss wurden angesprochen. Endlich hat man verstanden, dass Legal Tech kein Buzzword und die Digitalisierung keine Lobbyarbeit der Verkäufer von Technologie ist und dass es nicht ausreichen wird die Großkanzleien mit den modernsten Supercomputern auszustatten, in der Hoffnung, dass diese dann von alleine lernen würden Verträge zu analysieren und diese zu erstellen.Der Wandel fängt im Kopf an und ich finde, dass man in den zwei Tagen die wichtigsten Aspekte zu Wort gebracht hat; der Fahrplan für die nächsten Jahre steht also.

 

 

 

 

Immer noch zu teuer

 Dass das Organisationsteam bei der Planung der Vorträge einiges richtig gemacht hat, berechtigt den hohen Eintrittspreis dennoch nicht. Auch nicht, wenn man drei erfolgreiche Ergebnisse eines Hackathons aus dem Frühjahr zeitlich aufgebläht repitchen lässt und auch nicht, wenn die Verpflegung hervorragend ist; denn nichts, kein einziger Aspekt könnte eine zweitägige fachliche Unterhaltung ohne Übernachtung 1000 € rechtfertigen. Der Preis ist mehr als überhöht, wenn er auch dem derzeitigen Marktstandard entspricht; und auch wenn einige für den Preis Kaviar und Hummer, sowie eine bis tief in die Nacht gehende Abendveranstaltung gefordert hätten, war ich persönlich mit den am Abend aufgestellten Tischtennisplatten mehr als glücklich und hätte mich mit ein paar XXL-Pizzen zufrieden gegeben, wenn dafür der Eintrittspreis, den ich wie bereits erwähnt habe nicht zahlen musste, um mindestens 30 % reduziert worden wäre – dann wäre es aber keine Anwaltskonferenz. Immerhin wurden die Krawatten zum größten Teil weggelassen.

Und liebe Veranstalter: knappe 500 € sind kein Studentenpreis! Bietet lieber keine Tickets für den Nachwuchs an, anstatt zu signalisieren, dass ihr uns dabeihaben wollt, aber nur wenn wir überdurchschnittlich finanzkräftig sind. Ehrlicher wäre die Aussage: Kommt, wenn ihr es euch leisten könnt, denn nur dann seid ihr auch geistig reich – NICHT!

Die deutsche Anwaltschaft der Gegenwart und der Zukunft – die Transformation

Es sind unter den Teilnehmer immer noch Stimmen laut, die die oben genannten Entwicklung verneinen, weil es nicht deren Vorstellung entspricht; Podiumsdiskussionen, die zwar sehr hochkarätig sind werden ausschließlich von Männern geführt und die Ablehnungshaltung gegenüber neuen Methoden ist weiterhin groß. Ob diese Teilnehmer bloß weiterhin Angst haben oder die Bereitschaft sich selbst und die eigene Arbeitsweise zu ändern schlicht und ergreifend fehlt, sei dahingestellt; immerhin waren sie dabei, sodass ich vermutlich  naiver Weise einfach davon ausgehe, dass die Bereitschaft, sich die Themen anzuhören und darüber zu diskutieren zumindest vorhanden ist.

Design Thinking etablieren, Datensparsamkeit in bestimmten Bereichen vermeiden und die eigenen Hierarchien und Arbeitsstrukturen überdenken, wird die Aufgaben der Zukunft sein; und während sich die großen und wirtschaftsstarken Kanzleien überlegen sollten eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen aufzubauen, hoffe ich zukünftig darauf, dass die deutschen Gerichte Mittel und Wege finden werden die Urteile zu digitalisieren, um sie zur digitalen Analyse und Verarbeitung zur Verfügung zu stellen. Das ist der Fahrplan der Zukunft; und wenn im Folgenden bei Konferenzen und Fachvorträgen über diese Inhalte, wie hier, diskutiert wird, wird das Niveau der Fachtagungen im Allgemeinen sehr hoch sein.

Ich wünsche mir nun abschließend, dass die Anwaltschaft zunehmend von ihrem hohen Ross absteigt, sodass man bereit ist mit Fachfremden in Diskurs zu treten und insbesondere mehr miteinander zu arbeiten. Für mich das größte Fragezeichen der folgenden Zeit ist neben den oben genannten Ziele die Idee der gemeinsamen Plattform der Kanzleien, gemeinsame Normen, Formate und Schnittstellen. Die Möglichkeit besteht, aber um das Ziel zu erreichen muss sich noch einiges verändern.

Abschliessend vielen dank an das Team der Handelsblatt Fachmedien sowie an den Herrn Martin Fries für die Einladung.

Teile diesen Beitrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.