Design Thinking – Auf das Mindset kommt´s in erster Linie an

Legal Tech, Legal Design, Design Thinking, Artifical Intelligence, Blockchain – lauter englische Begriffe und am Ende neigt man schnell dazu das Ziel aus den Augen zu verlieren. Die Digitalisierung der Rechtsbranche – worum geht es eigentlich und wie helfen mir die Methoden des Design Thinkings?

Bereits letztes Jahr erwähnte ich die Wichtigkeit der Einstellung zu dem Thema, dass es ausschlaggebend ist ein richtiges Mindset zu entwickeln, bereit zu sein Neues auszuprobieren und gegenüber neuen Methoden offen zu sein. Denn es stimmt schon, dass Anwälte und Juristen, zumindest einzelne Prozesse, durch Technik ersetzt werden können. Sie erleichtern uns die Arbeit und ersparen uns monotone, langweilige und wiederkehrende Aufgaben. Dafür werden gleichzeitig neue Arbeitsfelder geschaffen und es entsteht ein Kreislauf von Kooperation vieler gleichrangiger Vertreter verschiedener Disziplinen, von der Technik und des Menschens.

Genau an der Stelle setzt Legal Design an; an der Schnittstelle und Zusammenarbeit von Projektmanagern, Informatiker, Entwickler, Juristen, Partner bzw. sonstigen Stakeholder.

Kooperation

Denn die Zeiten, in denen interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Juristerei daraus bestand, dass der Fachanwalt für Kartellrecht den Strafverteidiger mit ins Boot geholt hat, sind vorbei. Die Probleme werden größer, komplexer und auch wenn Juristen allwissend sind, werden sie an die Grenzen ihrer Kenntnisse stoßen.

Hier klicken für einen  aussagekräftigen Beitrag, warum Juristen nicht programmieren können müssen.

Um die Prozesse zu optimieren, effektiver zu gestalten und weiter entwickeln zu können werden wir u.a. mit Entwicklern zusammenarbeiten. Dafür brauchen wir eine gemeinsame Sprache als eine solide Basis für die Verständigung. Denn der Entwickler muss verstehen was wir brauchen und wir müssen verstehen, was die Entwickler von uns brauchen, um unsere Träume und Wünsche realisieren zu können. Durch die Methoden des Design Thinkings wird dies möglich, da insbesondere die Informatik bereits jahrelange Erfahrung in dem Bereich hat und diese erfolgreich anwendet. Wir müssen nur von ihnen lernen, die Prozesse und Abläufe zu verinnerlichen und wenn es passt auch zu verwenden.

Zugang  zum Recht

Aber Legal Tech bedeutet nicht nur Start Ups, Software, beA und größere Drucker. Legal Tech und dessen Ziele sollten es sein, den Zugang zum Recht für die weniger finanzstarken Bevölkerungsgruppen und für diejenigen zu erleichtern, die sich derzeit niemals gedanklich ausmalen können auszuprobieren, ob Recht haben vielleicht doch auch Recht bekommen bedeuten kann.

Dabei geht es nicht nur um den finanziellen, sondern auch um den fachlichen Zugang.

Was bringt es mir als Kläger den Fall zu verlieren, wenn ich nicht einmal weiß warum ich verloren habe; insbesondere wenn ich der Meinung war Recht zu bekommen. Und noch weniger hilft es mir, wenn mein Anwalt mir im Vor- oder Nachhinein versucht zu erklären woran es scheitern könnte oder gescheitert ist….Drittschadensliquidation, Kausalität, diverse lateinische Fachbegriffe kennt man aus dem Studium und ohne deren Häufigkeit in der Praxis abschätzen zu können, reicht bereits ein persönliches Gespräch mit einem Anwalt aus der Praxis, um festzustellen, dass die Mandanten Verständnisprobleme haben. Man kann stundenlang darüber diskutieren, ob es einen Haftungsfall darstellt, wenn der Mandant nicht verstanden hat worum es geht. Umso wichtiger ist die Frage: Erkennt man das immer? Wenn nicht, dann ist es auch nicht unbedingt die Schuld des Anwaltes; schließlich handelt es sich bei der juristischen Fachsprache um eine Sprachwissenschaft für sich, ohne auf die Thematik selbst einzugehen. Juristen verstehen sich unter sich; die Kommunikation mit Bänkern, Unternehmensberatern, Wirtschaftswissenschaftlern und Politikern verläuft vielleicht wie ein Gespräch zwischen einem Deutschen und einem Holländer…..aber wie klappt die Kommunikation mit der Personalabteilung, Marketing, Entwicklung etc.?

Hierfür bieten die Ansätze des Design Thinkings eine perfekte, für die Juristerei auf dem ersten Blick vielleicht fremde Lösung:

Visualize & Simplify

Weder der Entwickler, noch der Mandant muss Gesetzestexte zitieren, Urteile oder die Klageerwiderung der gegnerischen Seite vorgelesen bekommen, um den Sachverhalt zu verstehen. Dadurch wird er dies im Zweifel auch nicht tun.

Durch Visualisierung, kleine Skizzen oder durch die Aufzeichnung von Entscheidungsbäumen versteht er die Zusammenhänge vielleicht eher; und ganz ehrlich: Die Skizzen funktionieren auch in die andere Richtung.

Wollen Sie als Anwalt für Straßenverkehrsdelikte besser verstehen was vorgefallen ist? Lassen Sie sich doch einfach die Karte der Unfallstelle ausdrucken und visualisieren Sie die Situation.

Und wenn man über die Idee der Visualisierung ein wenig länger nachdenkt: wir kennen die Methode alle.  Oder haben Sie in Ihrem Studium keine MindMaps der Entscheidungsbäume, Karteikarten oder Übersichten gebastelt? Ich für meinen Teil male zum Beispiel die Eigentümerverhältnisse bei der Sachverhaltsanalyse einer Sachenrechtsklausur immer auf, sonst wüsste ich gar nicht wie, wo und was ich prüfen soll.

 

Zu visualisieren bedeutet nämlich nicht, dass man fortan Malkurse besuchen und kleine Picassowerke auf den Tisch legen muss, um ein einfaches Vermögensdelikt darstellen zu können. Pfeile, Linien, einfache grafische Elemente angereichert mit Strichmännchen, reichen vollkommen aus.

Zu den Grundformen der Visualisierung

Human centered

Schließlich geht es nicht um Dich, nicht um dein Gutachten, deine Zeichnung und nicht darum wie du den Fall löst….zumindest nicht in erster Linie. Es geht darum was dein Mandant, dein Kunde oder Partner möchte. Was sind seine Bedürfnisse, welche Probleme hat dieser und was möchte er gelöst bekommen?

Um neue Probleme durch diesen Ansatz effektiv lösen zu können bedarf es sehr viel Feingefühl, Beobachtungsvermögen und ein Verständnis für die Zielgruppe. Kommunikation ist das A und O und dazu gehört auch das Gespräch auf einer Augenhöhe.

 

Das Ziel: Fehler frühzeitig erkennen, aber auch die Möglichkeit scheitern zu können

„Jeder Fehlschlag ist, wenn er früh erkannt wird, ein Gewinn für das Fortschreiten des Innovationsprozesses.“

Fehlerkultur ist derzeit ein sehr häufig verwendetes Wort, obwohl die juristische Tätigkeit gar nicht dafür ausgelegt ist Fehler begehen zu können. Das Gesetz geht einfach davon aus, dass Juristen von Anfang an alles können und alles vernünftig hinbekommen. Für alles andere sind die Haftpflichtversicherungen da. Wie wäre es aber, wenn man Fehler früher erkennt?

Ein großer Vorteil interdisziplinärer Arbeitsgruppen mit Beteiligung von verschiedenen Generationen ist, dass Fehler früher erkannt werden können. Vielleicht haben die jungen Teilnehmer eine spannende, innovative Idee, welche die ältere, erfahrene Generation bereits im frühen Stadium als Fehler identifizieren kann. Vielleicht möchte aber ein älterer Teilnehmer eine alt bewehrte Lösung implementieren, die aber im neuen Kontext überhaupt nicht funktioniert?

Sofern man Probleme, Ideen und Vorschläge prüft, diskutiert und vor allem an den Bedürfnissen der Zielgruppe misst, werden Fehler in einem wesentlich früheren Stadium identifiziert und möglicherweise sogar gelöst.
Dafür muss man aber wissen, warum und für wen mit welchem Ziel etwas gemacht wird und welche Probleme man damit lösen möchte. Kommunikation und Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Da liegen die entscheidenden Weichen der Design Thinking Methode. Wie die einzelnen Arbeitsschritte im Detail am Ende erfolgen (sollten) lässt sich hier nachlesen.

Das erste Ziel sollte sein, die eigenen Augen zu öffnen, neue Methoden auszuprobieren, zu reflektieren und kooperieren zu können.

 

Quellen und weitere Hinweise:

Design Thinking- Kreativität als Methode

 

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