Telemedicus & Bird & Bird – Interview mit Dr. Simon Assion

 

Am 29.06 veröffentlichte  die Kanzlei Bird & Bird in Kooperation mit Telemedicus ein duales Ausbildungsangebot  für Studierende und Referendare. Da solch ein Angebot in Deutschland bisher einzigartig ist, die Stellenausschreibung dennoch relativ allgemein gehalten wurde habe ich mal bei dem zukünftigen Betreuer, Dr. Simon Assion, nachgehakt.

 

Lieber Simon, du kannst Dir gar nicht vorstellen welche Freudensprünge ich gemacht habe, als ich eure Ausschreibung zur dualen Ausbildung von Bird & Bird mit Telemedicus gesehen habe. Ich sage schon mal Glückwunsch und viel Erfolg; die anderen Großkanzleien sollten ein Beispiel an Euch nehmen!

Kannst du mir vielleicht ein bisschen was zu der Entstehung des Ausbildungsprogrammes erzählen? Woher stammt die Idee?

Die Idee ist schon etwas älter. Wenn man – wie einige der Mitglieder im Telemedicus-Kernteam – als Anwalt arbeitet, dann ist die Überlegung, Telemedicus und die Tätigkeit als Anwalt etwas näher aneinander zu rücken, ganz logisch. Bird & Bird war jetzt die erste Kanzlei, die sich dafür entschieden hat.

 

Telemedicus ist ein spannender und im Vergleich zu anderen Praktika/ Ausbildungsprogrammen ein sehr außergewöhnlicher Partner. So wie ich es mir vorstellen kann, wird keine Sekunde dieser Ausbildung langweilig sein. Insbesondere die Vermittlung von Kompetenzen zum Bloggen bzw. journalistischen Schreiben finde ich spannend. 

In der universitären Ausbildung lernen wir die Methoden des wissenschaftlichen Schreibens, daher frage ich mich: findest du, dass journalistisches Schreiben als Kompetenz wichtiger ist bzw. wo siehst du die relevanten Unterschiede zum wissenschaftlichen Schreiben?

Beim wissenschaftlichen Schreiben kommt es in erster Linie auf eine präzise, verständliche Sprache an. Man will vor allem Wissen vermitteln, nicht unterhalten. Und die Lesesituation ist eine ganz andere als beim journalistischen Schreiben. Wer ein wissenschaftliches Werk liest, der tut dies aus einer wissenschaftlichen oder beruflichen Eigenmotivation heraus. Fast immer geht es darum, etwas bestimmtes herauszufinden oder sich „einzulesen“.

Beim journalistischen Schreiben steht der Unterhaltungseffekt viel stärker im Vordergrund. Die betreffenden Leser nutzen das Angebot in einer entspannten Lesesituation und haben üblicherweise ein reichhaltiges Medienangebot vor sich, aus dem sie sich nur die spannendsten Inhalte herauspicken. Als journalistisches Angebot konkurriert man also mit anderen Inhalten um Aufmerksamkeit, z.B. innerhalb einer Zeitungsseite, im Newsfeed bei Twitter oder über die angezeigten Suchtreffer bei Google. Als Autor*in muss man sich darauf einstellen, indem man darauf abzielt, die jeweiligen Leser möglichst gut „abzuholen“ – z.B. durch eine gut getextete Überschrift. Mit einem spannenden Text kann man die Leser dann weiter binden und vermeiden, dass sie unterwegs auf ein anderes Thema wechseln.

Das Spannende an dem Ausbildungsangebot, und auch an der Arbeit von Telemedicus allgemein ist, dass es sich auf der Schnittmenge zwischen den beiden Feldern bewegt. Wir sind nicht nur wissenschaftlich, aber auch nicht nur journalistisch. Wir richten uns an ein Fachpublikum, nutzen aber auch die Methoden eines journalistischen Medienangebots. Daraus kann man viel lernen und mitnehmen, vor allem für die Arbeit als Rechtsanwalt.

 

Ihr habt die offizielle Stellenausschreibung eher kurz und allgemein gehalten, die Voraussetzungen sind „die üblichen Bewerbungsvoraussetzungen, die für eine Referendarsstationoder ein Praktikum in einer internationalen Großkanzlei notwendig sind“.

Magst du mir vielleicht daher verraten, was für dich „Interesse an den Bereichen Datenschutz/IT, Medien und Kommunikation“ bedeutet? Was erwartest du als zukünftiger Betreuer von den Bewerbern bzw. wie kann man solche Interessen deiner Meinung nach Nachweisen?

Das hängt vom Ausbildungsstadium ab. Bei Praktikant*innen ist das etwas anderes als bei Referendar*innen. Bei Bewerbungen auf Praktika interessiert uns vor allem die Frage, ob die betreffende Person davon profitieren kann, bei uns „hereinzuschnuppern“. Dafür muss ein Bewerber nicht nachweisen, bereits zu diesem Zeitpunkt eine Großkanzleikarriere zu planen. Aber wir wollen wissen, warum die betreffende Person sich gerade für uns, und gerade für dieses Ausbildungsangebot interessiert.

Bei den Referendar*innen ist uns wichtig, dass wir dieses Interesse auch aus dem Anschreiben und Lebenslauf nachvollziehen können. Unser Team bei Bird & Bird berät mittlere und große Unternehmen, meist mit direktem Bezug zu neuen Technologien in IKT-Bereich. Häufig geht es um sehr komplexe technische Hintergründe und spezielle Rechtsgebieten wie Telekommunikations-, Datenschutz- oder IT-Sicherheitsrecht. Unsere Mandanten schätzen, dass wir nicht nur die Rechtslage verstehen, sondern auch die zugrunde liegende Technik und die Besonderheiten der Branche.

Eine Referendar*in muss das nicht alles bereits können. Aber für uns muss nachvollziehbar sein, dass eine solche Entwicklungskurve möglich ist. Das setzt nicht nur eine sehr gute Beherrschung des juristischen Handwerkszeugs voraus, sondern auch eine Neugier für neue technische Entwicklungen und Zusammenhänge. Und am Ende geht es darum, die Ergebnisse auch verständlich für die jeweilige Lesergruppe darzustellen. Dort kommen dann wieder die Inhalte der Ausbildung „Recht und Kommunikation“ ins Spiel.

 

Ich habe aus Großkanzleireihen ab und an bereits gehört, dass man versucht weg vom Prädikat, hin zu mehr Persönlichkeit, Profil und besonderen Interessen zu schauen, dafür aber möglicherweise auch ein Examen mit 6-8 Punkten in Betracht zu ziehen. Dafür hätte sich gerade eure Ausschreibung angeboten, dennoch habt ihr an der Erwartung des „überdurchschnittlichen Erfolges“ festgehalten. Wieso? Meinst du, dass es sich alsbald bei euch ändern wird? 

Nein, das wird sich nicht ändern. Richtig ist aber, dass wir immer auf das Gesamtbild schauen. Uns interessiert nicht nur die juristische Leistung, sondern auch die Persönlichkeit und die Fähigkeit, neben den juristischen auch die technischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen. Aber exzellentes juristisches Wissen ist bei uns essenziell, das muss immer gegeben sein. Das erwarten unsere Mandanten von uns, und deshalb schrauben wir dort auch nicht unsere Ansprüche herunter.

Eine feste Grenze im Sinn von „nur mit zwei mal 9 Punkten“ gibt es bei uns nicht. Sicherlich ist dies wünschenswert, aber man kann exzellente Fähigkeiten auf viele Weisen erwerben und nachweisen. Dazu zählen z.B. auch abgeschlossene Promotionen, einschlägige Vorerfahrungen oder wissenschaftliche Arbeiten wie Fachaufsätze.

 

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