NFC im Trend – ich heisse dich willkommen Apple Pay

Die in der digitalen Wirtschaft wohl sehnsüchtigst erwartete Meldung der Woche war, als bekannt wurde, dass Apple Pay bald nach Deutschland kommt und seinen Unfug auch hier treiben wird. Gleichzeitig schafft die Sparkasse eine Möglichkeit der mobilen Zahlung mittels Smartphone…aber wie genau funktioniert es?

Nein, Apple macht keine eigenen Bankfilialen auf, die Smartphones werden auch nicht zwecks „Nachrüstung“ zurückgerufen. Gleichzeitig hat man auch keine neue Entwicklung verpasst oder irgendwelche Patentstreitigkeiten übersehen, denn die Technologie, auf die mobile Zahlungsmöglichkeiten derzeit bauen, heißt NFC  und sie ist nicht neu und wird seit Jahren verbaut. Denn ähnlich wie bei den meisten in Serie hergestellten Konsumentenwaren, werden die iPhones bereits seit dem Modell 6 mit einem Chip ausgeliefert, der allerdings ausschließlich für Apple Pay verwendet werden kann und somit kaum ein Gesprächsthema wurde. Nun kommt Apple Pay nach Deutschland, eine Funktion, die nun seit 2014 (Start Apple Pay in USA) nun endlich auch den Einzug nach Deutschland schafft….das ging aber schnell!

Die Technologie scheint bei Apple ohnehin ein schwieriges Thema zu sein und die Trägheit des Unternehmen sonst kaum mit rationalen Gründen erklärbar. Schließlich werden NFC- Chips beim Konkurrenten Samsung bereits seit 2013 (Vorstellung des S3) verbaut und ohne nennenswerte Einschränkungen zur Verfügung gestellt. Die Technologieriesen experimentieren darüber hinaus bereits seit 2008 mit den Einsatzmöglichkeiten, das erste NFC-Handy kommt 2004 aus dem Hause Nokia. Ein Zustand, den ich höchst kritisch und von Apple absolut unhaltbar finde. Oder vielleicht doch extrem intelligent? Schließlich scheinen der Markt und die Nutzer erst jetzt bereit, sich gegenüber der Schnittstelle zu öffnen.

//Disclaimer: so ganz stimmt es natürlich nicht. Man kann den verbauten NFC-Chip in den iPhones für das Auslesen von Inhalten der -Chips verwenden, z.B. Visitenkarten o.ä., eine bestimmte Funktion beim Gerät selbst wird nur dadurch nicht ausgelöst(dazu gleich mehr).//

Nun aber zum interessanten Part: zum NFC-Chip, schließlich sei es wohl „einer der großen kommenden Trends auf dem Mobilfunkmarkt“

 

NFC, RFID, Funktionsweise

NFC steht für Near Field Communication und heißt berechtigterw eise so, da der Kurzstreckenfunk bloß eine Reichweite von wenigen Zentimetern hat. Die dahinter steckende Technologie heißt RFID (Radio Frequency Identification); man findet die Begriffe auch oft auch synonym verwendet.

 

Die Funktionsweise ist nicht allzu kompliziert und erklärt sich eigentlich von selbst. Wie ein Barcode funktioniert, wissen wir bereits: die Buchstaben-/Zahlenabfolge hilft bei der Identifikation von Objekten, Personen oder sonst. Gegenständen. So knüpft die RFID-Technologie auch an der Stelle an. Es besteht aus 2 zusammenwirkenden Kommunikationspartnern, aus einem aktiven Lesegerät= Kommunikationsinitiator und aus einem passiven Transponder, welche eine eigene kodierte Nummer enthält und sich auf dem zu identifizierenden Objekt befindet. Die Informationsübertragung erfolgt „über die Luft“ mittels magnetischer Radiowellen (zum Vergleich: Barcodes verwenden ein optisches Erkennungssystem). Der Vorteil gegenüber optischen Erkennungsvorgängen ist, dass auch mehrere RFID-Tags auf einem kleinen Raum voneinander unterschieden einzeln registriert werden können. Ein einfaches Beispiel: die meisten von uns werden bereits bei Decathlon eingekauft haben: ist es euch schon aufgefallen, dass die Kassierer in letzter Zeit kein Produkt mehr eingescannt haben?

Der Grund ist dieser: die Etiketten in den Klamotten verfügen über einen RFID-Chip, wodurch diese an der Kasse nur in den Behälter gelegt werden müssen, um registriert und in das Kassensystem verbucht zu werden. Dabei erfolgt die eigentliche Arbeit durch den aktiven Teil der Kommunikation selbst, also durch das Smartphone, Computer etc., insbesondere dadurch, da dieser den für das Aktivieren des Kommunikationsvorganges benötigten Strom liefert, eben für die Zeit, so lange die Tags sich in der Nähe befinden.

Einsatzfelder

NFC-Chips machen dort viel Sinn, wo nur eine einzige Funktion innerhalb kürzester Zeit ohne großen Aufwand und örtlicher Nähe ausgelöst werden soll, siehe z.B. das Beispiel bei Decathlon oben, das Bezahlen an der Kasse. Im privaten Bereich fällt z.B. das Öffnen einer Tür, das Ein- und Ausschalten von Wlan/Bluetooth, Ausdrucken einer Datei  oder sogar das Abschicken einer Nachricht : „Hallo, ich bin angekommen“.

So sind Einsatzfelder kaum einzugrenzen, die Frage ist nur wie bequem man ist. Außerdem stellt NFC eine spannende Ergänzung zur verbreiteten Bluetooth-Technologie dar. Schließlich nutzen viele bereits jetzt Bluetooth-Schnittstellen für diverse M2M (machine to machine)-Kommunikation, z.B. kabellose Kopfhörer, Freisprechanlagen etc…und immer wieder ärgert man sich über den nervigen Koppelungsprozess. Durch NFC ist es aber bei entsprechender Programmierung möglich, die Geräte durch einfaches Aneinanderhalten zu verbinden, so dass die Koppelungsabfragen und die Wartezeit wesentlich verkürzt werden. Die eigentliche Datenübertragung z.B. der Musik erfolgt im Anschluss dann über die nun eingeschaltete Bluetoothverbindung, so dass auch kein zusätzlicher Strom für den NFC-Kontakt verbraucht wird, sobald die 2 Geräte voneinander getrennt werden.

Unterschied zu WLAN & Bluetooth

So manch einer könnte sich jetzt fragen, warum man nun wieder einmal etwas braucht, was andere Technologien schon lange können. Daten kann man doch auch über WLAN und Bluetooth hin- und herschicken. Im Grunde stimmt es schon, die verschiedenen „Kanäle“ wurden jedoch für ihre Einsatzzwecke abgestimmt entwickelt und angepasst.

1050—NFC—Lokale Kurzstrecken-Funker—NFC, Bluetooth, WLAN—Grafik Harald Karcher

NFC arbeitet bei einer Frequenz von 13,56 MHz und bietet eine Datenübertragungsrate von max. 424 Kbit/s (zum Vergleich: Bluetooth). Einen Vergleich mit der WLAN-Technologie halte ich für sinnlos an der Stelle, da die Übertragungsrate von dem schwächten Glied abhängt; so kann man den teuersten Router bei sich daheim installieren, wenn man mit einem WLAN-Empfänger im Laptop aus 2005 arbeitet; der Standard 802.11ac liefert eine theoretische Übertragungsrate von 433 Mbit/s. )
Im Vergleich zu Bluetooth zeigt sich der größte Unterschied in der Reichweite, da über Bluetooth gekoppelte Geräte eine Entfernung von mehreren Metern zueinander aufweisen können. Außerdem betreiben Bluetooth-Geräte ein sog. Frequenz-Hopping (ja, vergleichbar mit Insel-Hopping in Griechenland). Der Grund für letzteres ist, dass mittlerweile sehr viele Bluetooth-Geräte im Einsatz sind, so dass diese sich gegenseitig auf derselben Frequenz beeinträchtigen würden. Schließlich sollen die Geräte eine stabile Verbindung aufbauen und halten können, dafür wurde Bluetooth entwickelt.

Also warum sollte man den Ofen zum Aufwärmen des Abendessens verwenden, wenn die Mikrowelle auch da ist und schneller aufgewärmt ist und weniger Strom verbraucht?

Datensicherheit?

Grundsätzlich ist es so, dass NFC im Alltag hilfreich, effektiv und im Grunde genommen auch als sicher zu bezeichnen ist. Dennoch muss man auch ehrlicherweise sagen, dass immer wieder Videos und Artikel auftauchen, in denen Hacker die Verschlüsselung der NFC-Badges/Karten etc. gehackt und sich somit Zugang verschafft haben, z.B. hier. Gleichzeitig tauchen immer wieder Tipps & Tricks auf, wie man die Klonfähigkeit der RFID-Chips vermindern kann. Die Wahrheit wird vermutlich in der Mitte liegen und ich kenne mich leider auch nicht so gut aus, dass ich eine allgemeine Empfehlung aussprechen könnte.

Grundsätzlich gilt: ich würde zu meiner Wohnung/Haus, meinem Auto, oder zu sonstigen Behältern, die Wertgegenstände enthalten, keinen Zugang mittels RFID schaffen. Aber im Alltag gewisse Tätigkeiten mittels den kleinen Helfern zu unterstützen, habe ich keine Bedenken Zum Apple Pay selbst lässt deren White Paper zur Datensicherheit hier nachlesen und danach muss jeder für sich entscheiden, ob er dem System vertraut und die bequeme Zahlungsmöglichkeit verwenden möchte.

Was mache ich, wenn ich kein NFC-Chip verbaut habe?

Die aktive Einheiten von NFC lassen sich nachrüsten, man kann einzelne Module käuflich erwerben. Von diesen halte ich die mit einem NFC-Chip ausgestattete SD-Karten als Idee grandios, ich kann jedoch leider keine Erfahrungswerte hierfür mitteilen. Wen es aber interessiert, die Marke Moneto verkauft diese (u.a.).Die alternativ verwendeten QR-Codes ließen sich zwar noch ebenso gut verwenden, diese sind jedoch nach meinem Empfinden in Deutschland noch weniger verbreitet, zumindest wenn es darum geht, mittels eingelesenen QR-Codes bezahlen zu können.

Wer es übrigens ganz verrückt aber gleichzeitig innovativ mag, RFID-Implantate gibt es mittlerweile auch, siehe:12-Fragen zu RFID-Implantaten, Cebit 2016 oder der Beitrag von  I am robot.

So und wer von euch hat jetzt Lust, alle seine Visitenkarten mit einem NFC-Chip auszustatten, um die Person bei Berührung mit der Karte anzurufen?

 

//Disclaimer: meine Quellen basieren weitestgehend auf Artikel aus 2010-2012, der Grund ist: schon damals wurde alles gesagt, was gesagt werden muss.//

Nun also zu den Quellen und den weiteren Verweisen:

Ein einfaches, aber umso praktischeres Anwendungsbeispiel

https://seekingalpha.com/instablog/22912651-daniel-jennings/5020087-apple-pay-can-hacked

https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/apple-pay-mein-favorit-ist-ganz-klar-nfc/14517304-2.html?ticket=ST-1656782-cEhajcWVf0WOg1tiaQhl-ap3

https://www.nfc-tag-shop.de/info/nfc-in-smartphones/nfc-und-ios-iphone.html

https://www.golem.de/news/samsung-tectiles-programmierbare-nfc-tags-fuer-jedermann-1206-92488.html

https://www.pc-magazin.de/ratgeber/nfc-sicherheit-reichweite-technik-1472160.html

https://www.iot-design.de/allgemein/bluetooth-und-nfc-gemeinsamkeiten-und-unterschiede/

https://www.computerwoche.de/a/nfc-die-kontaktlose-zukunft-hat-bereits-begonnen,2534496

https://www.computerwoche.de/a/nfc-in-der-praxis,2554644,2

https://www.nfc-tag-shop.de/info/nfc-vergleich/bluetooth-vs-nfc.html

https://www.computerwoche.de/a/nfc-an-der-ladenkasse,2510195

https://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Apple-Pay-Details-zu-Schutzmassnahmen-und-Datensammlung-2413174.html

https://www.rfid-basis.de/funktionsweise.html

http://www.springer.com/978-3-642-05393-1

https://www.smartdroid.de/kein-nfc-chip-im-smartphone-mit-moneto-ganz-einfach-nachrusten-ces-2012/

https://www.voip-information.de/nfc-mittels-sd-speicherkarte-nachruesten.php

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