DigitalLifeDay @IL Daimler – mein Bericht

Warum machen es die Unternehmen im Hinblick auf die Digitalisierung so spannend? Meiner Meinung nach nur eines; sie haben Geheimnisse. Meistens gibt es ein White Paper oder Stellungnahmen bzw. Zukunftsbilder werden in einem 5-Jahresplan festgehalten. Doch was hinter den Türen tatsächlich passiert, erfährt man oft als Außenstehender nicht.

Nun bricht Daimler ihr Schweigen. Am 15.10 fand der Digital Life Day @ Integrity & Legal statt und ich durfte mit dabei sein, Fragen stellen und ein eigenes Bild über die Digitalisierung bei Daimler machen.Hier meine Eindrücke:

Disclaimer: Daimler hat mich zum Event eingeladen; ich wurde aber nicht für die Berichterstattung über Twitter bezahlt, noch bekomme ich für diesen Blogbeitrag Geld!

Das Schöne an internen Veranstaltungen ist, dass sie im Vergleich zu Konferenzen und Messen ehrlich sind. Wieso auch nicht, schließlich sind die Mitarbeiter unter sich und es existiert kein böswilliger Konkurrenzkampf und ein möglicher Wettbewerb zwischen den Abteilungen macht ausschließlich Spaß, aber keinen ernsthaften Druck. Es ist ja auch eine Seltenheit, dass man als Externe auf einem solchen Event teilnehmen darf. Hierfür danke ich dem Orgateam und Pietro Brambilla.

Digitalisierung schafft die Silos Ab

Ein internes Event ist zum Motivieren da. Es soll die Mitarbeiter zusammenschweißen, bei großen Konzernen ein internes Networking erlauben, Lust auf etwas machen, aber auch nebenbei Werte vermitteln. Hier die Werte, die IL künftig intern, aber vermutlich auch nach außen hin kommunizieren möchte.  „Schafft die SIlos und die Grenzen ab“ lautete es immer wieder, egal ob der unterhaltsame (….mal im ernst, eigentlich super abgefahrene) Keynote von Dietmar Dahmen oder generell die Moderation von James Ryan. Nicht klassisch konservativ, dafür aber ein umso stärkeres schauspielerisches Können und Unterhaltung. Man hat gemerkt, dass die Mitarbeiter des Konzerns einfach alle durch und durch Lust auf das Event und hoffentlich auch auf Innovation haben….warum auch würde man sonst seinen Bürostuhl mit bequemen Kissen darauf mit einer Kettensäge zerstören 😉 ?

Die Zeiten, in denen Juristen versuchen mit ihren Gesetzen den Status Quo zu erhalten soll vorbei sein; schließlich kommt der Angriff und der Wettbewerb nicht von innen, sondern von außenimmer dann, wenn man es nicht erwarten würde.

Der Angriff und Superman

Der Angriff für den Kühlschrank? – Amazon Fresh; der Angriff für den Fahrer? – die autonomen Fahrassistenten…und die Konkurrenz schläft nie. Der Gewinner, aber auch der endgültige Verlierer, kann nur aus dem Wettbewerb hervorgehen, wenn man mit seinem, an sich gut funktionierenden Team alles lässt wie es ist. Den Wettbewerb Wettbewerb sein zu lassen, erscheint aber aus der derzeitigen erfolgreichen Position vieler Unternehmen eine tolle Option.Wieso sollte man auch etwas ändern, wenn es einem derzeit gut geht. Außerdem birgt jeder neue Versuch auch das Risiko zu scheitern und somit hohe Verluste und Gefahren.
Scheitern gehört aber auch dazu, so ist Superman auch erstmal gescheitert, als seine Heimat explodierte und er tief auf die Erde fiel. Seine Schwäche: das Alte, so werden Kryptonite als Parallele zum Analogen in der Digitalisierung präsentiert. Ein passender Vergleich, wenn man darüber nachdenkt, dass die bequeme Realität der aktuellen Zeit gleichzeitig die größte Gefahr der Innovation darstellt.

Was hier in Textform vielleicht super verrückt und abgefahren klingt, bewirkt eines die Lust etwas selber zu machen, Lust ein Teil davon zu sein, Lust das Beste aus sich heraus zu holen.

3 Bühnen, diverse Vorträge im Stil der Silent Disco, Workshops, Marktstände und eine Halle. Von Design Thinking über künstliche Intelligenz, von New Work über Due Diligance, Mobility und Compliance bis zu Lego Serious Play wurde über viele Themen diskutiert und an Lösungsansätzen gearbeitet, die man wahlweise über die drei Channel verfolgen konnte. Dafür musste man einen Sender und Kopfhörer ergattern und sich weiter über die App anmelden.

Innovation kostet Geld

Diese Argumentation dürfte bei den Kanzleien bis heute das ausschlaggebende Argument für fehlende Digitalisierung sein. Schließlich herrscht weiterhin die billable hour“ – Mentalität. Mit Investitionen in digitale Strategien, Projekte und Lösungen ist es aber ähnlich wie auch beiMarketing. Es kostet, kostet und kostet und auf der anderen Seite der Bilanz finden sich in der Regel keine Posten. Wenn es danach ginge, dürfte aber niemand in seinen Marketingauftritt investieren und so geschieht dies oft auch gar nicht. Ein weiterer Blick verrät aber, dass es sich auszahlt: In neue Kunden/Mandate, zufriedene Mitarbeiter, effektiveren Workflow oder einfach in der Tatsache auch in fünf Jahren noch mit dabei zu sein. So müssen digitale Produkte auch oft erstmal eingekauft oder intern entwickelt, gepflegt und getestet werden bis man mehrere Monate später ein positives oder aber auch negatives Ergebnis sieht. Es zahlt sich aber in der Regel in irgendeiner Form aus.

In Zahlen? Nicht jeder kann und muss einen geringen sechsstelligen Betrag in seineInnovationsprojekte stecken; den entsprechenden Betrag muss man jedoch in Relation setzen. Gerechnet auf die Mitarbeiterzahl und der Konzerngröße vor dem Hintergrund der Skalierbarkeit,erschien mir dies tatsächlich sogar wenig. Insbesondere wenn man darüber nachdenkt, wie viele der größten Wirtschaftskanzleien eine eigene Forschung- und Entwicklungsabteilung unterhalten.

Die Antwort von Daimler auf die Digitalisierung: Die hauseigene Innovations- und Crowdfundingplattform auf der die für das Event rund 40 Teams ihre Ideen einreichten. Die besten fünf präsentierten diese vor Ort und wetteten mit ihren Kollegen um den Zuschlag. Dabei haben die Teams länder- und fachbereichsübergreifend an Themen gearbeitet, Pitches vorbereitet und erfolgreich vor Ort im SiliconValley Stil innerhalb drei Minuten präsentiert. Ein tolles, im Grunde verlängertes Hackathonformat, welches sich perfekt eignete die Mitarbeiter intern noch besser zu vernetzen und interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern.

Fazit

400 Mitarbeiter, eine tolle Dynamik und die spürbare Spannung und Lust auf Neues in der Luft. In Ludwigsburg und in dem Bereich des Konzerns herrschte ein vollkommen anderes Klima als die ich von Konferenzen sonst gewohnt war. So wünsche ich allen Mitarbeitern und Anwesenden vonganzem Herzen, dass sie die Motivation und Freude aus der Veranstaltung mit nach Hause nehmen und in den jeweiligen Fachbereichen effektiv umsetzen können. Die Rahmenbedingungen scheinen mit einem Think Thank, den Innovationsplattformen und dem Intranet schon mal zu stimmen. So hat der Konzern meiner Meinung nach bewiesen, dass Juristen nicht nur langweilig sein können/müssen und den Geschehnissen in den Geschichtsbüchern hinterherhinken müssen. Nein, sie können auch vorne mit dabei sein, auch wenn dies nicht laut in der Öffentlichkeit präsentiert wird. Dies finde ich im Übrigen sehr schade, denn so entgeht dem Konzern eine Rolle, die er eigentlich wahrzunehmen verpflichtet wäreeine Vorbildfunktion zu zeigen, dass es auch anders geht, anders als bisher in der Wirtschaft üblich. Berater und Impulsgeber müssen nicht immer von außen in die Unternehmen einwirken; es kann auch anders herum funktionieren.

 

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