Retreat.Legal 2018 – Denk mal deine Prozesse neu!

"Es bedarf nicht nur Kritikfähigkeit der möglicherweise betroffenen Stellen, sondern auch Mut etwas verändern zu wollen, Mut die gefundenen Probleme äußern zu wollen/können und die Freude an Innovation und dem Wandel. "

Am 1. und 2. November haben sich über 80 Personen auf den Weg gemacht, zum Teil sogar mit dem Flugzeug, Richtung Frankfurt. Ihr gemeinsames Ziel: Methoden und Tools kennenlernen, um den Alltag, die juristische Tätigkeit und das eigene Umfeld besser zu gestalten, dank Design Thinking.

//Dieser Blogbeitrag entstand in Kooperation mit Retreat.Legal. Für das Vertrauen bedanke ich mich sehr.//

Anderthalb Tage, unzählige Nationalitäten aus verschiedenen Kontinenten, Veranstaltungssprache Englisch. Jung und Alt, Fachanwalt, Studierende oder Geschäftsführer haben sich Seite an Seite den ausgeschriebenen Challenges gestellt und versucht eine Lösung für die gestellten Fragen zu finden. Abgesehen von den unterschiedlichen Herkunftsländern und dem Ausbildungsstand also an sich nichts Neues, der Weg und die Vorgehensweise ist aber für viele der Teilnehmer neu gewesen; nicht jedoch für zahlreiche Facilitators, die ihrerseits die einzelnen Legal Design Initiativen in ihren Heimatländern organisieren, gleichgültig ob Portugal, Finnland, Kanada oder Deutschland. Sie waren dafür verantwortlich, dass die Teilnehmer an den schwierigen Punkten nicht von der geplanten Vorgehensweise abrücken und in ihre alten Verhaltensweisen zurückfallen. Schließlich wäre es doch so einfach, sich auf die erstbeste Lösung zu stürzen, die einem in den Sinn kommt. Aber die Veranstaltung war genau dafür da, nicht in alte Muster und Vorgehensweisen zu verfallen, sondern sich stattdessen dazu zu zwingen die Methodik und Werkzeuge des Design Thinking anzuwenden und diese an einem Praxisbeispiel zu erlernen.

Im Grunde genommen ist die Vorgehensweise an sich denkbar einfach: Man definiert seine Kunden genau (Persona), schliesslich soll der oder die  der/die NutzerIn des gewünschten Ergebnisses sein  Die schwierige Aufgabe ist dann ihre Probleme, Wünsche und Arbeitsmethoden zu erforschen und zu versuchen diese mit einem „einfachen“ Prototypen stellenweise zu lösen. Dieser Prototyp wird danach immer wieder reflektiert, angepasst, verändert und erneut dem Kunden vorgestellt. So entsteht mit der Zeit eine Lösung, die der Kunde kennt und mag, weil er es mitentwickeln konnte und vor allem weil man so auf die individuellen Wünsche eingeht.

Alle Entwickler und Designer, die diesen Beitrag lesen, werden sich vermutlich die Frage stellen: „Ja und nun? Die Methode verwenden wir schon seit Jahr(zehnt)en.“ Sie haben Recht, doch insbesondere die Tatsache, dass die Tools in anderen Branchen bereits erfolgreich etabliert werden zeigt, dass sie funktioniert, unabhängig davon in welcher Branche man sie einsetzt.

Darauf kommt es an

Diesbezüglich habe ich bereits letztes Jahr einen Artikel geschrieben und betont, warum für mich persönlich das Mindset, die innere Einstellung, der entscheidende Faktor für die erfolgreiche Anwendung von Design Thinking ist. Genau diese innere Einstellung hat man auch in Frankfurt bei allen Teilnehmer bemerken dürfen.

Neugierde, Kreativität, dass man sich selbst nicht zu ernst nimmt und bereit ist etwas Neues auszuprobieren……. Sei es zur Frage, wie man Verträge visualisieren kann, welche Möglichkeit es gibt, um die interne oder externe Kommunikation zu verbessern oder was einen guten Juristen ausmacht und was hierfür im Studium geändert werden sollte. Natürlich hatten die Teilnehmer anfänglich Schwierigkeiten, insbesondere am Anfang, als viele nicht wirklich wussten, an welchem Punkt man und vor allem wie genau man anfangen soll. Doch je näher der Kundenkreis mittels imaginären Personen eingegrenzt und die Wünsche und Schmerzpunkte ausgearbeitet wurden, hat man endlich gesehen in welche Richtung es geht. Die Impulsvorträge der Facilitators haben die Prozesse außerdem beschleunigt und mit mehr Inhalt gefüllt: Etwas anzuwenden ist eine Sache, zu wissen warum man dies tut ist jedoch eine andere. Dabei wurde auch betont, dass es DIE LÖSUNG für alle Probleme der Welt nicht gibt bzw. nicht wirklich geben kann. Daher lautet die Aufgabe immer wieder zu reflektieren, die Schmerzpunkte zu erkunden und sich selbst auch kontinuierlich zu entwickeln, um mittels eines breiten Horizonts immer mehr neue Lösungsmethoden kennenzulernen.

Die Ergebnisse?

Am Ende des zweiten Tages sind gute Prototypen zum Teil schauspielerisch vorgestellt worden, sodass man erstmal auch kurz daran gezweifelt hat, dass wirklich Anwälte im Raum waren. Schließlich gilt die Branche als sehr konservativ, langweilig und unkreativ. Doch die Teilnehmer haben gezeigt, dass sie es auf keinen Fall sind und dass auch Juristen in der Lage sein können innovative Konzepte zu entwickeln, wenn man ihnen hierfür Raum und Zeit gibt. So wurde ein Complion gebastelt, die Vorstellungen einer zukünftigen juristischen Lern- & Coachingplattform simuliert und mehrere Szenarien erfolgreicher Mandantenkommunikation präsentiert. Alles für sich nur Beispiele für eine gute Zusammenarbeit, einen offenen Weltblick und Design Thinking.

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Bringt es mit nach Hause!

Es stellt sich nur noch die Frage, wie man die erlernten Methoden daheim anwenden kann. Schließlich wurde dieser Wunsch bereits vor Ort von vielen der Teilnehmer ausgesprochen. Doch hierfür müssen alle mit anpacken. Es bedarf nicht nur Kritikfähigkeit der möglicherweise betroffenen Stellen, sondern auch Mut etwas verändern zu wollen, Mut die gefundenen Probleme äußern zu wollen/können und die Freude an Innovation und dem Wandel. Insbesondere die letzten Zwei machen nicht nur Spaß, sondern können die Prozesse nachhaltig ins Positive verändern, sodass ich nur jedem wünschen kann eine entsprechende Legal Design Schulung/Workshop oder Kurs zu besuchen. Der erste Schritt ist bei allen Weiterbildungsmöglichkeiten stets neugierig zu sein und zu hinterfragen – man lernt schließlich nie aus.

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