(K)ein klassischer Jahresrückblick – wir brauchen mehr Digitalkompetenz!

Ich schaue nicht gerne in die Vergangenheit, denn was weg ist, ist in der Regel weg. Daher wollte ich erst einmal auch keinen wirklichen Jahresrückblick schreiben und ich musste mich immer wieder dazu zwingen, mich daran zu setzen. Wieso zurückschauen? Warum sich mit dem auseinandersetzen, was vorbei ist?
Ganz einfach: um zu lernen…aus den eigenen Fehlern, aus Fehlern von anderen…(k)ein klassischer Jahresrückblick mit Richtung nach vorne. 

Dankbarkeit.

Egal was im vergangenen Jahr passiert ist, ich habe sehr viele Gründe dankbar zu sein: meine Stelle an der TUM, die Erfahrungen, die ich in Zürich machen durfte, die vielen Freundschaften, die ich geschlossen habe, meine Selbständigkeit und die ersten Aufträge, meine Leser und das Feedback, das ich zum Blog bekommen habe.  2018 war ein bedeutungsvolles und in der Gesamtbetrachtung sehr erfolgreiches Jahr und dafür möchte ich mich bei allen von euch bedanken.

Der absolute Wahnsinn.

Ich habe so viel gelernt; nicht nur im juristischen Bereich dank der Examensvorbereitung, bei der ich immer noch nicht weiß, ob ich sie richtig gemacht habe. Sondern auch über mich selbst als Person. Ende 2017 hätte ich die Frage, wo ich mich selbst in 5 Jahren sehen möchte, nicht beantworten können. Heute weiß ich ziemlich genau was ich mag, was ich kann, ganz wichtig: was ich nicht kann. So freue ich mich darauf, wenn ich in 2019 endlich die Uni verlassen und in das Berufsleben einsteigen kann. Mit oder ohne Examen, ich habe endlich das Gefühl angekommen zu sein.

Dennoch, ich habe einige Fehler gemacht:

Ich wurde 2018 nicht müde zu betonen, was im Studium der Rechtswissenschaften alles falsch läuft, wie veraltet das System sei und warum die Nachwuchsjuristen & Juristinnen nicht zeitgemäß ausgebildet werden. Doch nicht alles, was ich kritisiert habe, ist falsch, vielmehr ist einiges zum Teil zu engstirnig gewesen.

Das Studium und seine Ausgestaltung ist veraltet und bietet,  nach meiner Ansicht, weiterhin nicht genug Angebote, um auf das Berufsleben vorbereitet zu sein. Die Frage, die sich stellt ist aber: ist es die Aufgabe des Studiums? Sind wir nicht vielmehr selbst dafür verantwortlich, dass wir auch links und rechts gucken? Auch wenn die Professoren, Kommilitonen und scheinbar jeder von Anfang an einen extremen Druck auf einen auszuüben versucht: diesem Druck standzuhalten und sich selbst Zeit frei zu schaufeln, um ein Profil bilden zu können ist das, was ich niemals bereuen werde. Doch genau hier werden die zukünftigen Studierenden der Juristerei weitermachen müssen, dem standhalten und an sich arbeiten müssen.
Das Staatsexamensystem ist im Grunde nicht falsch, wenn man die Laufbahn eines Richters oder Staatsanwaltes anstrebt. Aber was ist mit denen, die im Unternehmen, als Berater oder im journalistischen Bereich arbeiten möchten? Warum müssen die Klausuren handschriftlich geschrieben werden und wieso können wir nicht bereits im 1. Examen auf die Kommentare zurückgreifen? Nichtdestotrotz oder gerade deswegen gilt mein Appell, dass die Professoren und Professorinnen sich die Arbeit und die eigene Weiterbildung bzgl. Digitalisierung nicht zu leicht machen dürfen, dass sie selbst dafür sorgen müssen, eine zeitgemäße und aktuelle Lehre gewährleisten zu können. Unabhängig davon, ob die Ministerien und die Länder oder der Bund sogar selbst hierfür eine Unterstützung bietet oder nicht. Denn wie wir alle wissen, sind öffentliche Einrichtungen langsam, träge und viel zu unflexibel. Die Möglichkeiten und Angebote  müssen also wir selbst, die Studierenden, Initiativen, Unternehmen und Kanzleien, schaffen und das nötige Interesse selbst mitbringen.

 

Zur Sache mit der Digitalisierung und Datensicherheit.

Ich habe diesen Blog Mitte 2017 gegründet, um die zunehmende interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Juristen und Angehörigen anderer Disziplinen zu verbessern und effektiver zu machen. Ursprünglich habe ich gedacht, dass der erste und wichtigste Schritt die gemeinsame Sprache wäre, welche man sich durch gegenseitige Weiterbildung und Verständnis für die Materien aneignen könnte. Doch stimmt das überhaupt? Abgesehen davon, dass die Kenntnis und das Verständnis für die Themen der Digitalisierung, nicht nur für die Juristen, essentiell ist und wie wir es an den aktuellen Geschehnissen erkennen können nicht mehr weggelassen werden kann, bin ich vielmehr geneigt zu sagen, dass genau wie damals in der Grundschule, eigentlich nur die Einstellung zählt. Natürlich schaffe ich keine Rolle oder einen Purzelbaum, wenn ich es nicht will. Wenn ich die Aufgabe auf andere übertrage in der Hoffnung, mich damit nicht beschäftigen zu müssen, wird es nicht funktionieren. Die Gesellschaft, die Unternehmen, die einzelnen Teams unter sich sind alle ein Teil hiervon. Sie, wir sind alle für uns selbst verantwortlich und wir haben alle einen Teil vom Kuchen. Sowohl von dem Kuchen namens “Pflichten” als auch namens “Rechte und Möglichkeiten”. Es ist kein Raum und Platz mehr für Rosinenpickerei.

Die gängigsten Wörter der agilen Methoden, Unternehmertum, Newwork & co nützen nichts. Wenn niemand aus der Reihe der Entscheidungsträger sich etwas darunter vorstellen kann, dann kann das hierfür eingestellte Personal sich gerne bemühen, Überstunden anhäufen und Seminare besuchen. Dasselbe gilt aber auch genau anders herum: als Angestellter bringt es einem nichts, wenn von nun an Gespräche über Skype geführt werden sollen oder im Intranet die Möglichkeit besteht als Corporate Influencer mit Vertrauensarbeitszeit von zu Hause aus zu publizieren, wenn die Angestellten nicht wissen, was darunter zu verstehen ist.

Und so nützt wird eine zusätzliche gesetzliche Verpflichtung einer 2-Faktor-Authentifizierung für die Anbieter der Plattformen, keinen Mehrwert oder mehr Sicherheit bewirken, wenn die Nutzer weder wissen was es macht, noch die nötige Sensibilität haben verstehen zu können, warum Datensicherheit wichtig ist. Die aktuelle Hacker-Debatte wird spätestens mit der Festnahme eines Verdächtigen wieder vom Tisch sein. Wir dürfen uns aber nicht mehr erlauben die wichtigen Themen dadurch auch aus den Augen zu lassen.

Hier sind alle gefragt: von Reinigungskraft über Wachmann, von Gabelstaplerfahrer über Gymnasiallehrerin und Richter bis zum CEO, Lehrer und Politiker…und auch wenn ich die nachfolgende Forderung im Jahr 2019 erschreckend finde:

Wir brauchen mehr Digitalkompetenz!

Man kann gerne die Debatte um die Abschaffung des Bargeldes diskutieren oder das Vertrauen in (Cloud-)Dienstleister. Fakt ist: die Digitalisierung lebt von Pragmatismus, Schnelligkeit und von der richtigen Schwerpunktsetzung. Allesamt Methoden, die in einem theoretischen und diskussionsfreudigen Land wie Deutschland kaum oder oft nur vereinzelt vertreten sind. Natürlich hat der Schutz der persönlichen Daten vor Missbrauch Priorität und selbstverständlich möchte sich niemand darauf verlassen, dass sein Auto für ihn bremst, wenn das Fahrzeug mit einer im Grunde unfertigen Software ausgeliefert wurde. Aber anstatt die Themen weitere Jahre zu diskutieren, würde ich es begrüßen, einfach mal zu machen:

Anzufangen Prototypen zu bauen, zu testen und weiter zu entwickeln;unsere Lehrer und Lehrerinnen entsprechend auszubilden, den Nachwuchs für das Thema zu begeistern und die Uniabgänger/Innen entsprechend auf Ihre Arbeit vorzubereiten. Und ganz wichtig: die Entscheidungsträger mit den nötigen Grundkenntnissen auszustatten.

Wir haben tolle Wissenschaftler, unsere Entwickler und Informatiker können mit den berühmten größten Genies aus Silicon Valley mithalten. Doch sie müssen gehört werden, Vertrauen genießen und machen können, was sie gedenken zu machen. In einem Rahmen, der ihnen so viel Freiheiten bietet wie möglich, unter so viel Kontrolle wie nötig. Dies bedarf Verständnis, Vertrauen, Kommunikation auf Augenhöhe und Investitionen. Nicht nur von den Regierungen, sondern auch von den Unternehmen selbst. Investitionen in Weiterbildung der Belegschaft, technische Infrastruktur und Investitionen in die, die sich trauen.

Ich hoffe, dass es die deutsche Bevölkerung 2019 schafft, mit einem pragmatischeren Blick auf die Entwicklungen zu schauen, um ab 2020 nicht mehr als Digitalisierungsentwicklungsland hinterherzuhinken, sondern aufzuholen und in altem Glanz wieder zu erstrahlen.

Meine Ziele, Wünsche, Träume?

Neues Jahr, neuer Start und neue Ziele? Letztes Jahr um die Zeit war mein Kalender schon gefüllt mit diversen Konferenzen, Vorträgen und Seminaren. Den entsprechenden Veranstaltungsplaner habe für den Blog erneut wieder angefangen, die Termine werden nach und nach mit Bekanntgabe hinzugefügt.

Für mich ist 2019 jedoch ein besonderes Jahr: in weniger als 60 Tagen muss ich beweisen, ob ich zukünftig einen Platz in der Juristerei haben werde oder meine Schwerpunkte neu setzen muss. Mit oder ohne Examen heißt es jedenfalls für mich, dass bis Ende Juli ein großes Fragezeichen über meinem Kalender schweben wird. Zum Glück wird die Zeit zwischen April bis Juni mit einem freiwilligen Praktikum überbrückt, doch wie es danach weiter geht: ich weiß es nicht.

Fakt ist, an dem Blog werde ich festhalten. Ich liebe es zu schreiben, mich mit euch auszutauschen und obwohl ich mir stets anhören darf, dass ich als Ausländerin über die nötigen Sprachkenntnisse gar nicht verfüge, hindert es mich nicht, meine Meinung mit euch zu teilen. Doch ich habe bereits im Dezember gemerkt: ich schaffe es nicht, neben der Examensvorbereitung meinen eigenen Ansprüchen an die Qualität der Beiträge gerecht zu werden. Damit ich nach März auch nichts bereuen muss, werde ich also den Blog vorerst einmal insoweit pausieren, dass ich mir selbst nicht mehr den Maßstab setzen kann, jede Woche etwas zu posten. Das heißt natürlich nicht, dass von mir nichts mehr kommen wird, aber vorerst leider nicht regelmäßig. Ich hoffe, ihr entschuldigt. Nach April geht es dann weiter.

Für die Zwischenzeit gibt es ein Angebot von mir: jeder, der gerne zu den Themen Digitalisierung, IT & Tech, Jurastudium oder Kommunikation etwas veröffentlichen möchte, ist gerne dazu eingeladen, dies bei mir zu tun. Ich biete dazu auch gerne ein kostenloses Minicoaching im journalistischen Schreiben an, probiert euch einfach mal aus!

Ich bin gespannt, was 2019 für uns bereit hält.

Habt einen guten Start in das Jahr und ich wünsche euch sehr viel Erfolg, Durchhaltevermögen und Kraft um eure Wünsche, Ziele und Träume zu erreichen! Bleibt gesund und bis ganz bald!

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