Behind the scenes – Hackathon @ Reinvent Law

Zum zweiten Mal in Folge fand am 15-16.11 in Frankfurt am Main im Hause ReinventLaw, der Innovation Hub und gleichzeitig Kooperationsprojekt diverser Konzerne in Deutschland. Das Thema dieses Jahr: IP Law. Ich war am ersten Tag dabei und habe meine Nase in die Arbeit der Teams reingesteckt und einfach mal rumgeschnüffelt und mir die Frage gestellt: ist das wirklich ein echter Hackathon?

Auf den ersten Blick also ein weiterer sog. Hackathon in der Reihe der zahlreichen Legal Hackathons für Studierende im Jahr 2019, aber mein Fazit vorne weg: Letztendendes ist dieser der einzige richtige Legal Hackathon speziell für Studierende in diesem Jahr gewesen.

Der Grund: er ist so, wie ein Hackathon sein sollte.

Die ursprüngliche Idee hinter einem Hackathon ist es, eine große Gruppe aus EntwicklerInnen, DesignerInnen und ProjektmanagerInnen zusammen zu bringen, um deren Kreativität und Drang zu nutzen und spannende Projekte zu generieren. Meistens kommen die Teilnehmer mit der Erwartung Spaß zu haben und nicht selten auch, um etwas dazu zu lernen. So zumindest meine Erfahrung insbesondere auch im Rahmen des Hackathon Bremen.

LegalTech-Hackathons sollten hiervon auch keine Ausnahme darstellen, sie bewegen sich jedoch an der Schnittstelle zum Recht, sodass unter den TeilnehmerInnen JuristInnen, Projektmanager und Vertreter der neuen Berufe, sofern es die schon gibt, Legal Engineer.

Doch LegalTech-Hackathons erleben einen wahnsinnigen Hype und vergessen dabei leider sehr oft die maßgebliche Aspekte: der interdisziplinäre Austausch vor dem Tech-Hintergrund.

Denn eine Veranstaltung, bei der sich ausschließlich Juristen treffen, um mittels eines Expertensystems etwas zu bauen, ist und bleibt kein Hackathon. Hierbei lernt man zwar den Umgang mit dem konkreten Toll, doch dieser wurde oft insbesondere für Juristen gebaut, so dass man weder die Denkweise von EntwicklerInnen, noch die Vorgehensweise bei Softwareprojekten lernt. Insbesondere fehlt hier der Austausch gänzlich, so dass man hoffentlich die Lust auf mehr Digitalisierung bekommt, aber nicht die echte Hackathon-Erfahrung mitnehmen kann.

Vorne weg: Nein, ich bin der Ansicht, dass JuristInnen in der Zukunft keine Programmierkenntnisse brauchen. Was sie brauchen ist die Fähigkeit sich in die Denkweise von Angehörigen anderer Disziplinen einzuarbeiten und mit diesen zusammen arbeiten zu können. Dies gilt für unsere analog geprägte Branche umso mehr, da wir zukünftig immer mehr Digitalisierungsprojekte realisieren und begleiten werden müssen. Ohne das juristische Wissen gibt es nämlich keine Lösungen für uns. Diese müssen jedoch kommuniziert werden können, aber nicht auf einer Art und Weise wie PR und Marketing-Abteilung dies tun, wo leider derzeit solche Arbeiten in der Praxis verortet werden.

Dies gilt jedoch auch umso mehr für Entwickler und Entwicklerinnen. Im Rahmen eines richtigen Hackathons würden sie auch wahnsinnig viel dazu lernen und unsere Branche auch besser verstehen können. Letztenendes profitieren alle davon, schließlich heißt es all zu oft: wir brauchen mehr Kommunikation an den Schnittstellen.

 

 

 

 

„Wir brauchen ein gegenseitiges Verständnis. Wie tickt die jeweils andere Seite? Was erwartet man als Konzern von den Anwälten und anders herum? Man denkt, dass man weiß was der jew. Mandant will, aber das ist leider doch nicht so wirklich der Fall“.

So Daniel Devivere, CEO von Reinvent Law. Schließlich sei es meistens so:

„Wir sehen beide das Problem aber was ist die Lösung?

Und was passiert, wenn verschiedene Seiten unterschiedliche Ziele verfolgen?” Und wie kann man die Zielsetzungen des Rechts in ein nützliches Produkt oder eine hilfreiche Krücke abbilden? „Schließlich mögen sich IP und Kartellrecht auch nicht.„ so Dr. Michael Fammler von Baker McKenzie.

So fanden sich also an den beiden genannten Tagen ca 50 VertreterInnen der Anwaltschaft, der Kooperationspartner von Reinvent Law aus der Praxis und Studierende aus verschiedenen Bereichen mit unterschiedlichen Zielen aber allesamt zum Motto: „Stop talking, start doing“.

6 Teams, jeweils mit 2 EntwicklerInnen on Board durften sich in den nächsten 1,5 Tagen mit vorgegebenen use cases aus der echten Praxis auseinandersetzen. So sollten sie sich mit  Smart Contracts beschäftigen, einen Brand Checker, einen Tool um online Beweise zu sammeln oder um einen Due Diligance Prozess zu unterstützen zu bauen. Sie durften sich Fragen stellen, auf die bisher keine juristisch klare Antworten existieren und Workflows bauen, die in der Praxis erwünscht, erhofft aber noch nicht vorhanden sind. Weitestgehend also mit keinen Vorkenntnissen, jedoch mit Mentoren aus der Praxis an ihrer Seite musste sie von null anfangen, konnten jedoch auf Datenbanken und Schnittstellen bauen, die ihnen vom Veranstalter oder von den Kooperationspartner zur Verfügung gestellt wurde.

Ein allesamt gelungenes Format wie ich finde und ja, so geht Legal-Hackathon! Jetzt kann man nur noch hoffen, dass die Anzahl der Teilnehmer der Branchen irgendwann 50:50 sein werden, dass mehr Teams über die Nacht durcharbeiten (so wie es sich eben gehört) und über das Format ein Sprachrohr der Nachwuchsgeneration zueinander entsteht.

Dazu müssen wir nur wissen: liebe EntwicklerInnen: was genau braucht ihr von uns? Wie können wir euch im Rahmen eines solchen Events unterstützen!?

Denn während die Produkte allesamt bei den Teilnehmer selbst verbleiben können, profitieren diese vom Austausch, der Erfahrung mit den Entwickler und aber auch mit den Praktiker zusammen. Während Letztere eine wahre Begeisterungswelle erleben und die Idee und Möglichkeiten der Digitalisierung mit nach Hause, besser sogar in die Wände ihrer Firmen tragen können.

Ein Durchweg gelungenes Format, ich freue mich auf 2020 und bin sehr gespannt welches Thema der Veranstalter Reinvent Law diesmal aufgreifen wird.

Das Thema scheint endlich auch an den Unis angekommen zu sein

Tatsächlich kamen zwar viele Teilnehmer aus den verschiedenen studentischen Initiativen der Universitäten aus ganz Deutschland, dennoch nicht alle. So fand ich das Team aus Bielefeld besonders spannend, dessen Teilnehmer an einem Seminar der Universität zum Thema Digitalisierung und Recht von Prof. Dr. Hähnchen teilnahmen und von der Professorin eine echte Unterstützung für Ihre Teilnahme erfahren haben. So steht insbesondere dieses Team als Beweis zur Frage da, ob Digitalisierung nur dort stattfindet, wo auch studentische Initiativen aktiv sind. Keineswegs, auch wenn diese es natürlich an diesen Universitäten einfacher haben.

So können (und sollten auch!) Professoren und Professorinnen einen erheblichen Teil zu den Kentnnissen beitragen und das Thema hier und dort als Schnittstelle zum Grundstudium anreißen. Denn auch wenn Digitalisierung kein Thema der Prüfungsordnungen ist, die Freiheit der Lehre und Forschung sollte ihre Grenzen nicht an den Themen zur Digitalisierung finden.

 

 

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